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Gestern war ich mal wieder in meiner Supervisionsgruppe. Da sitzen Ärztinnen, ein Kollege und ich. Es ging um Sprache, Patienten verständliche Sprache. Eine hausärztliche Kollegin berichtete in diesem Zusammenhang von ihrem pubertären Sohn, der beim Fussballtraining immer mehr spannende Begriffe aufsammeln würde und diese dann stolz zu Hause präsentiere. Nicht immer zum Gefallen seiner Eltern, aber das ist wohl normal für die Pubertät.
Aktuell scheint der Begriff „Männer“ cool zu sein. Alles was aufgewertet werden soll, wird mit „Männer“ begonnen. „Männerhart“, „Männergeil“, usw. Die Variationen sind wahrscheinlich unendlich. Da musste ich natürlich genauer hinhören und mitschmunzeln. Der Begriff „Männer“ als Ausdruck von Stärke, da war doch schon einmal was. Die Kollegin berichtete dann weiter, dass sie dann im Praxisalltag es mit einem endpubertären Jungen zu tun gehabt hätte. Dieser hätte einen grippalen Infekt gehabt und fühlte sich mit Fieber sehr schlecht. Er konnte sein Leid kaum richtig beschreiben und war einfach leidend. Um diesen jungen heranwachsenden Mann erreichen zu können, ihn gut zu spiegeln, rutschte ihr (wahrscheinlich mitbeinflusst von der allabendlichen Prägung ihres Sohnes) dann ganz spontan der Satz heraus: „Oh,… da hast du wohl richtiges Männerfieber, was?!“ Der Junge klarte etwas auf und sagte ganz ernst: „Ja genau das habe ich!“ So wussten beide, wo von sie sprachen.
Auch wenn dies vielleicht ein banales Beispiel ist, ich finde es wieder bezeichnend, wie wichtig es ist, auch im Kleinen, vielleicht unwichtigen Moment, die Sprache des gegenüber sprechen zu können. In unser Gruppe wurde dann darüber weiter diskutiert und eine andere Kollegin meinte, ihr würde das missfallen, so sprechen zu „müssen“. Sie hätte keine Lust sich anzubiedern.
Meiner Meinung nach ist das kein Anbiedern. Wenn ich im Männergesundheitsgespräch es schaffe (und wahrscheinlich gilt das auch „übergeschlechtlich“) so mit Worten spiegeln, das sich das Gehör des Gegenüber öffnen könne, dann kann ich doch wunderbar meine „Gesundheitsnachrichten“ senden. Oder?
Eine zweite Sache die mir zu MännerFieber einfällt ist die, dass ich immer wieder erstaunt bin, wie viele Männer in Seminaren doch die Hand heben bei der Frage: „Waren Sie schon einmal mit Fieber bei der Arbeit?“ Also genau das Gegenteil von allzu übertriebenem Leiden. Hier sind Menschen, die eingeschränkt zur Arbeit gehen, sich und andere gefährden, weil sie nicht bei vollen Sinnen sein können, stolz darauf. Die Konzentrationsfähigkeit lässt nach, es kommt zu Kreislaufproblemen und man ist für andere bis zum Gegenbeweis erst einmal ansteckend. Diese Männer, die da die Hände heben, haben aber ein gewisses abstraktes Pflichtbewusstsein und meinen unersetzlich zu sein. Auch das ist für mich MännerFieber. Vielleicht sind das ja auch deren Söhne, die da auf dem Fussballplatz stehen und ihre Väter noch als richtige Männer wahrnehmen. Wäre doch eigentlich gar nicht so schlecht. Ich wünsche Ihnen wie immer eine gesundheitliche Woche.