Hier finden Sie viele Zahlen, Daten und Fakten aus dem ersten deutschen Männergesundheitsbericht des Robert-Koch-Institutes.

  1. Ein Junge, der heute geboren wird, hat eine Lebenserwartung von 77,7 Jahren, bei einem Mädchen sind es 5 Jahre mehr (82,7 Jahre).
  2. Mehr Männer als Frauen sind von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen und sterben auch in einem jüngeren Alter daran.
  3. An der häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankung, der koronaren Herzkrankheit, sterben Männer im Durchschnitt mit 77,0 Jahren, Frauen erst mit 84,8 Jahren.
  4. Die Risikofaktoren (z. B. Rauchen, unausgewogenes Ernährungsverhalten) für Herz-Kreislauf-Erkrankungen findet man überdurchschnittlich häufig bei Männern.
  5. Mehr Männer als Frauen erkranken an Krebs, vor allem an Lungenkrebs.
  6. Männer verunfallen häufiger und schwerer als Frauen. Das höchste Risiko tragen junge Männer.
  7. Männer verunfallen eher am Arbeitsplatz und deutlich seltener zu Hause.
  8. Bei jungen Männern sind Unfälle eine der häufigsten Todesursachen.
  9. Männer sind häufiger von Suchterkrankungen betroffen als Frauen, aber seltener von Depressionen. Bei der Depression wird eine Unterdiagnostizierung bei Männern diskutiert.
  10. Etwa zwei Drittel der deutschen Männer sind sportlich aktiv.
  11. Über 60 % der Männer sind übergewichtig (Body Mass Index > 25).
  12. Männer rauchen immer noch mehr als Frauen: 32,6% zu 26,9 %.
  13. Männer trinken auch häufiger und mehr Alkohol als Frauen.
  14. Illegale Drogen werden häufiger von Männern konsumiert als von Frauen.
  15. Männer sind häufiger als Frauen erwerbstätig. Sie arbeiten deutlich häufiger Vollzeit als Frauen und seltener Teilzeit.
  16. Männer sind häufiger beruflich bedingten, körperlichen Belastungen ausgesetzt.
  17. Erwerbslose Männer haben im Vergleich zu berufstätigen Männern vermehrt Gesundheitsprobleme und verhalten sich häufiger gesundheitsriskant. Dieser Effekt ist stärker als bei Frauen.
  18. Männer nehmen deutlich weniger primärpräventive Angebote (Krankheitsvorbeugung) in Anspruch als Frauen, z.B. Gesundheitskurse. Sie werden eher durch Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung erreicht.
  19. Dafür nehmen Männer fast im gleichen Maß wie Frauen Angebote der Sekundärprävention (Krankheitsfrüherkennung) wahr, z.B. Krebsfrüherkennung.
  20. Vor allem jüngere Männer werden durch Angebote zur Krankheitsfrüherkennung schlecht erreicht.
  21. Erektile Dysfunktion stellt einen Vorläufer zur KHK dar (2-3 Jahre im Voraus).
  22. Männer haben andere koronare Beschwerden als Frauen, meist eher klassischer.
  23. Männer haben weniger Symptomkenntnis vom Herzinfarkt und Schlaganfall.
  24. Männer werden doppelt so häufig wie Frauen stationär mit KHK aufgenommen.
  25. Männer sterben im Durchschnitt mit 77,0 Jahren an einer KHK, Frauen erst mit 84,8 Jahren. Für den Schlaganfall ist das ähnlich.
  26. Männer haben eine 1,4 fach höhere Wahrscheinlichkeit einen Schlaganfall zu erleiden als Frauen.
  27. Männer mit niedrigem sozialen Status und Bildung sind am stärksten gefährdet.
  28. Arbeitsbedingter Stress als auch Arbeitslosigkeit erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Männern.
  29. Männer erhalten eher soziale Unterstützung als das sie welche geben (support gap).
  30. Check-ups werden sowohl von ca. der Hälfte aller Männer und Frauen in Anspruch genommen.
  31. Männer erkranken etwas häufiger an Krebs als Frauen.
  32. Es versterben mehr Männer an Krebs als Frauen, vor allem vor dem 65. Lebensjahr.
  33. Die Top 3 der Krebserkrankungen bei Männern sind Prostatakrebs, Lungenkrebs und Darmkrebs.
  34. Lungenkrebs ist bei Männern bei weitem die häufigste Krebstodesursache, gefolgt von Darmkrebs und Prostatakrebs.
  35. 2010 starben 29381 Männer an Lungenkrebs.
  36. In neun von zehn Lungenkrebsfällen ist die Erkrankung auf Tabakrauchen zurückzuführen.
  37. Noch immer rauchen mehr Männer als Frauen. 2010: 36,6% zu 29,5%.
  38. Männer rauchen auch mehr als Frauen.
  39. Frauen sind allerdings, was den Rauch angeht sensibler.
  40. Männer mit Migrationshintergrund rauchen mehr als einheimische Männer.
  41. 2010 wurden 65.830 Männer mit Prostatakrebs diagnostiziert, 12.676 starben in dem Jahr daran.
  42. Nur 1,2% Männer bekommen Prostatakrebs unter 50 Jahren.
  43. Das Altersmaximum für Prostatakrebs liegt bei 70-79 Jahren.
  44. Die benigne Prostatahyperplasie haben über 25% der Männer ab 50.
  45. 2010 bekamen 33.800 Männer Darmkrebs, 13.489 starben in dem Jahr daran.
  46. Die meisten Männer kennen das Angebot zur Krebsfrüherkennung und nehmen diese auch war.
  47. Männer werden primär von Ärzten zur Krebsfrüherkennung angesprochen, gefolgt von persönlichen Kontakten aus der Familie und Freundeskreis. Nur wenige nehmen diese Informationen über Bücher oder Zeitschriften auf.
  48. Männer haben überproportional mehr Unfälle als Frauen. Auch sind ihre Unfälle schwerer als die der Frauen.
  49. Meist sind jüngere Männer von Unfällen betroffen.
  50. 2010 starben 10.956 Männer an Unfällen. Bei den Frauen waren es 9.287.
  51. Im jungen Lebensalter sind Unfälle eine der häufigsten Todesursache.
  52. Männer verunfallen am Arbeitsplatz und deutlich seltener zu Hause. Bei den Frauen ist es genau umgekehrt.
  53. Insgesamt sieht man aber eine deutliche Zunahme von häuslichen Unfällen und eine Abnahme von Arbeits- und Freizeitunfällen.
  54. Das Verkehrsunfallrisiko ist für Männer deutlich höher als bei Frauen.
  55. Im Straßenverkehr sterben 3 Mal mehr Männer als Frauen.
  56. Männer sind deutlich mobiler als Frauen. 2008 waren sie 45,9km täglich unterwegs, Frauen nur 32,4km.
  57. Männer zeigen deutlich häufiger als Frauen eine Einschränkung der Verkehrstüchtigkeit durch Alkoholkonsum.
  58. Männer mit niedrigem sozialem Status verunfallen eher bei der Arbeit als in der Freizeit.
  59. Männer zeigen deutlich häufiger ein „Risiko suchendes“ Verhalten. Dabei spielen der Wettbewerbscharakter und Aggressivität eine wichtige Rolle. Mutproben sind dabei im heranwachsenden Alter wichtig. Durch „ernste Spiele“ in dieser Arena des Straßenverkehrs entsteht Maskulinität.
  60. Im Kindes- und Jugendalter werden mehr psychische Störungen wie Verhaltensprobleme, Hyperaktivität und emotionale Probleme bei Jungen festgestellt.
  61. Männer zeigen häufig nicht die klassischen Depressionsanzeichen. Sie zeigen nicht selten eher Ärgerattacken, Feindseligkeit, gesteigerten Alkoholkonsum sowie eine Kombination aus Irritabilität, Aggressivität und antisozialem Verhalten.
  62. Der Satz „Männer werden süchtig, Frauen depressiv!“ gilt auch heute noch.
  63. Männer haben unterschiedliche Süchte: Alkohol- und Drogenkonsum, Arbeitssucht, Spielsucht.
  64. Männer haben eine 7,8% Lebenszeitprävalenz für eine Depression. Frauen liegen dabei bei 15,4%.
  65. Männer werden wahrscheinlich, was Depressionen angeht unterdiagnostiziert. Männerspezifische Diagnosekriterien werden nicht abgefragt. Außerdem sieht das Hilfesuchverhalten bei Männern anders aus.
  66. Gerade bei jüngeren Männern werden depressive Symptome häufig nicht erkannt.
  67. Außerdem passen depressive Symptome nicht in das Rollenverständnis vieler Männer. Es droht Verlust von Ansehen, Autonomie und Männlichkeit.
  68. 2012 nahmen sich 7.287 Männer das Leben. Bei den Frauen waren es 2.603 Suizide.
  69. Männer greifen eher zu den „harten“ Suizidmethoden wie Erhängen, Erschießen, Einatmen von Abgasen sowie sich vor bewegenden Objekte werfen oder legen.
  70. Die Suizidraten von Männern steigen mit dem Alter massiv an und sind in der Altersgruppe der über 75jährigen am höchsten.
  71. Der Grund für die hohe Suizidrate älterer Männer liegt wahrscheinlich am Renteneintritt und möglicher Verwitwungen. Hierbei wird diskutiert, dass Sozialkontakte verloren gehen und das Selbstwertgefühl geschwächt wird, weil die Ernährerrolle wegbricht.
  72. Verwitwung scheint Männer stärker zu treffen als Frauen.
  73. Homo- und bisexuelle Männer zeigen häufiger Suzidversuche als heterosexuelle Männer.
  74. Männer trinken häufiger riskant als Frauen.
  75. Männer trinken drei bis fünf Mal mehr im Rausch als Frauen.
  76. Deutlich mehr Männer sind vom Alkohol abhängig als Frauen. Das Verhältnis ist 4:1.
  77. Für Männer zwischen 20 und 40 ist das Risiko am höchsten eine Alkoholsucht zu entwickeln.
  78. Männer haben auch mehr Krebserkrankungen, die auf den riskanten Konsum von Alkohol zurückzuführen sind.
  79. Bei den illegalen Drogen dominieren ebenfalls die männlichen Konsumenten deutlich. Sie machen über 70% der Behandlungsfälle aus.
  80. Die Lebenszeitprävalenz für eine Tabakabhängigkeit liegt für Männer bei 24,2%. Für Frauen bei 17,7%.
  81. Fünf Mal mehr Männer als Frauen spielen pathologisch. Migrationshintergrund oder Arbeitslosigkeit erhöhen diese Quote noch einmal deutlich.
  82. Spieler haben häufig komorbide Störungen. Hierzu zählen Alkohol-, Tabak- sowie Cannabisabhängigkeit. Auch Persönlichkeitsstörungen sind häufig zu sehen, sowie Hyperaktivitäts- und Aufmerksamkeitsdefizitstörungen.
  83. Abhängiges Computerspielen ist primär bei jüngeren Männern zu sehen. Jüngere Frauen zeigen eher eine abhängige Nutzung von sozialen Netzwerken.
  84. ADHS – das Hyperaktivitätssyndrom wird eher von Jungen als von Mädchen gezeigt.
  85. ADHS-Patienten haben ein gesteigertes Risikoverhalten. Sie verunfallen häufiger und üben häufiger Substanzmissbrauch aus.
  86. ADHS-Patienten haben ein erhöhtes Risiko für anhaltendes kriminelles Verhalten im Erwachsenenalter. Sie entwickeln häufiger eine antisoziale Persönlichkeitsstörung. Die motorische Aktivität lässt im Alter nach, die innerliche Unruhe bleibt aber.
  87. Männer zeigen nach offiziellen Angaben deutlich seltener Essstörungen. Man nimmt aber an, dass hier eine große Dunkelziffer zu erwarten ist, da der Hauptfocus in der Diagnostik und Therapie auf Frauen gelegt wird.
  88. Die Essstörungen, die bei Männern am ehesten zu erwarten ist, ist die Binge-Eating-Disorder.
  89. Für die Diagnosegruppe psychische Störungen ist der Anteil der Männer an den Krankgeschriebenen geringer als der der Frauen.
  90. Weil Männlichkeit mit Stärke, Unabhängigkeit, Risikobereitschaft und dem Streben nach Status assoziiert ist, berichten wahrscheinlich Männer weniger von psychischen Symptomen in ärztlichen Gesprächen. Deshalb werden wahrscheinlich auch häufiger somatische Symptome und Krankheiten bei Ihnen diagnostiziert.
  91. Werden psychische Störungen nicht erkannt und bleibt auch die psychotherapeutische und/oder pharmakologische Hilfe aus, kann das einen Anstieg der Inanspruchnahme somatomedizinischer Leistungen zur Folge haben.
  92. Für Männer werden im Vergleich zu Frauen Arbeitslosigkeit, Gratifikationskrisen, Alleinleben, Trennung, Scheidung oder Tod der Partnerin/ des Partners als bedeutende Faktoren für die Entwicklung einer psychischen Erkrankung diskutiert. Für Frauen sind diese Krise eher alleinerziehend zu sein, erwerbslos mit mehreren Kleinkindern, geringes Bildungsniveau oder Pflege von Angehörigen zu sein.
  93. Ein weiterer Einflussfaktor dafür, dass bei Männern wahrscheinlich psychische Symptome häufig verkannt werden, scheint im Diagnoseverhalten von Ärzten und Ärtzinnen zu liegen. „Der typische Patient“ beeinflusste das medizinische Personal in der Beurteilung der gezeigten Beschwerden.

Quelle: Gesundheitliche Lage der Männer in Deutschland, RKI 2015