Zur heutigen Arbeitswelt und zum „modernen Arbeitsunfall“ konnten Sie vor kurzem etwas lesen. Heute möchte ich etwas über die „männliche“ Rolle im Privatleben schreiben. Dazu konnte ich mit der Therapeutin und Burnout-Präventionsexpertin Helen Heinemann aus Hamburg sprechen. Sie gibt seit vielen Jahren Kurse für Burnout gefährdete Männer. Ihr aktuelles Buch „Warum Burnout nicht vom Job kommt“ handelt hiervon.
In unserem zweistündigen Gespräch erzählte Heinemann von einer typischen Erfahrung, von der ein Mann in ihrem Kurs berichtete: „Ein Physiker saß so ein bisschen zusammengesunken in einer Runde und berichtete, er wäre nach Hause gekommen und hätte seine Frau mit einer Bohrmaschine vorgefunden. Mit dieser hätte sie gerade ein Regal angebracht. Sie hätten eine kleine Tochter, zwei Jahre alt, und die Frau sagte, sie warte seit einem halben Jahr darauf, dass er das Regal anbrächte und sie habe nun die Schnauze voll und hätte das jetzt lieber selbst gemacht. Der Physiker saß in der Männerrunde und fragte sich, wofür er eigentlich noch gut sei?
„Die“ Frau gibt immer häufiger ihre so genannte Containerfunktion auf, die sie seit Generationen inne hatte. Wenn Männer traurig, wütend und enttäuscht waren, gingen sie zu ihrer Frau oder Freundin und konnten auf Mitgefühl und Verständnis zählen. Jetzt sind viele Frauen selbst überlastet und wollen diese Geschichten nicht mehr hören. Die Familie wird für den Mann zum weiteren unsicheren Feld. Vielleicht sogar ein Feld mit Zusatzaufgaben. Denn die moderne Frau bezieht den Mann auch in die Hausarbeit und Kinderbetreuung mit ein. Wenn er nach Hause kommt, kann er sich nicht mehr ausruhen oder von seinen Lasten befreien – er kriegt stattdessen das Kind in den Arm gedrückt.
Noch einmal zur so wichtigen Containerfunktion. Wenn Frauen traurig, wütend und enttäuscht sind und die Welt zu ihnen gemein ist, dann gehen sie zu einer Freundin und erzählen alles „heraus“. Das machen Frauen so. Wenn ein Mann sich schlecht fühlt und mal erzählen möchte, dann geht er eben nicht damit zu seinem besten Kumpel, sondern er geht auch zu einer Frau. Das ist seit vielen Jahrzehnten ein gutes eingespieltes System.
Jetzt sind aber diese modernen überbelasteten Frauen, die das alles nicht mehr auf einmal gestemmt bekommen, selbst müde. Die wollen diese Stories nicht mehr von den geschafften Männern hören. Die ziehen als erstes von diesen ganzen vielen Funktionen, die sie inne haben, die Containerfunktion zurück. Sie kümmern sich nicht mehr wie zu alten Zeiten in Form des „armer, schwarzer Kater“ und versorgen so ihren Mann. Sie fühlen sich selber überlastet. Und so fallen die Männer trocken. Die wissen jetzt nicht mehr, wo sie mit solchen Sachen nun hin sollen.“
Hier ein etwas pointiertes Beispiel mit Martina Hill aus der SAT1-Sendung „Knallerfrauen“.

Dies soll keine Streitschrift für alte Verhältnisse sein. Die damaligen Rollenverteilungen brachten andere Probleme mit sich. Es geht nur darum aufzuzeigen, was die Männern nicht mehr haben und ihnen Energie raubt, die dann an anderer Stelle fehlt. Und das sind im Moment teilweise auch diese neuen emanzipierten Rollenverteilungen. Und wenn man Männern nachhaltig einen gesunden Weg im Leben aufzeigen möchte, geht es darum, an diese Themen heranzukommen und Lösungswese sichtbar zu machen, sie im Endeffekt in ihrem Selbstwertgefühl zu stärken.
Wie immer wünsche ich Ihnen eine gesundheitliche Woche.