Girl pushing her grandpaIn der Arbeit mit Männern hat man es häufig mit den sogenannten „Geschickten“ zu tun. Diese kommen nicht unbedingt von selber in die Beratung sondern werden von jemand anderem geschickt. Der Männerpsychotherapeut Björn Süfke (siehe auch „Der MännerTherapeut“ http://wp.me/p3eH4G-3j) brachte mich auf diesen Begriff. Er kennt aus seiner Beratung drei Formen. Er beschreibt diese auf Englisch. Es sind dort die „court mandated“, die „wife mandated“ und die „doc mandated“. Also „das Gericht“, „die Frau“ und „der Arzt“ schicken Männer zu ihm in die Psychotherapie, häufig nicht unbedingt freiwillig. In der Männergesundheitsförderung können wir die vom Gericht geschickten natürlich ausschließen. Dafür kommen aber „die Anderen“ und die, die von ihrem „Über-Ich“ geschickt werden. Dabei steht dann das gesellschaftliche Gebot im Vordergrund „Du sollst Dich gesund verhalten!“ oder „Na, mach doch mal was für Deine Gesundheit!“. Ob das dann mit dem Ich und dem Es im Einklang steht, findet man erst im Verlauf der Beratung oder der Gesundheitsfördermaßnahme heraus.
Als ich mit der Männerarbeit anfing, war es mir zuwider diese Art von „Pflichtberatung“ durchzuführen. Ich hatte eigentlich auf meiner Arztschule gelernt, dass Menschen aus freien Stücken und mit einer gewissen Eigenmotivation zu einem kommen müssen, damit es etwas bringen kann. Dieser Auffassung bin ich mittlerweile bei Männern nicht mehr grundsätzlich. Es muss keine schlechte Basis für ein „Erstmännergesundheitsgespräch“ sein. Und dies ist keine Kapitulation meinerseits vor dem „sturen Mann“, sondern eher ein besseres Verstehen des männlichen Gesundheitsverhalten. Männer sehen häufig nicht den Sinn und Zweck eines beratenden Gespräches über ihre doch selbst empfundenen intakte Gesundheit. Gesundheit ist wie allseits bekannt nicht die Abwesenheit von Krankheit, obwohl manche dies denken. Sie ist mehr. Da wir bei einigen Männern lange darauf warten können, bis diese etwas für sich tun würden, sind diese „geschickten“ Momente gar nicht so ineffektiv.
In der betrieblichen Gesundheitsförderung sehen wir häufiger geschickte Männer, die am Anfang hieraus auch keinen Hehl machen. Ich nehme das meist spielerisch humorvoll auf und frage dann in Kombination mit dem oben bezeigten Bild, wer hier ein „Geschickter“ sei. In der Thematisierung dieses „geschickten“ Zustandes sind die Teilnehmer erleichtert und ich natürlich auch. Wenn man die Männer dann im Verlauf begeistern und ans Thema binden kann, ist am Ende vom „Geschickt sein“ keine Rede mehr. Nicht selten höre ich auch von der anfänglichen Angst, dass man bei Gesundheitsthemen bekehrt werden solle und jetzt nicht mehr richtig leben dürfe. In der ernährungsmedizinischen Arbeit mit einfacheren Männern höre ich dann ganz konkret: „Ach Herr Doktor, gut das ich nicht zum Salatfresser werden muss.“ oder „Schön das ich einen Sautag in der Woche habe.“ Ich glaube diese Angst führt sehr häufig zu einem Abschotten vor der eigenen Gesundheit. Erst die direkte Ansprache und das Anstupsen von außen können „den“ Mann in den Dialog über seine Gesundheit bringen.
Also warum machen wir nicht aus den „Geschickten“ geschickte Männer, die ihre Gesundheit, besser ihre Selbstfürsorge wiederfinden? Diese Männer kann man für sich selbst begeistern. Ich erlebe das immer wieder.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen wie immer eine gesundheitliche Woche.