Man with big umbrella, on white

Da sich diese Webseite ja an Interessierte der Männerarbeit richtet, wende ich mich heute mit einem ganz konkreten Ratschlag an Sie: Passen Sie auf, was Sie sagen! Zumindest wenn Sie über Männergesundheit sprechen. Denn was immer Sie sagen werden, es wird auf jeden Fall Gegenwind geben.

Nun ist es in einer meinungsbefreiten Gesellschaft nichts Außergewöhnliches, dass auch fachliche Aussagen gerne hinterfragt werden, und spätestens seit Verbreitung des Internets gibt es selbst bei fundiert vorgetragenen Offensichtlichkeiten stets jemanden, der – schon aus Prinzip – die Gegenposition einnimmt. Das Besondere beim Thema „Männergesundheit“ ist aber, dass man für das Aufzeigen und Benennen von Männer-Krisen und -Problemen gerne von beiden Seiten gleichzeitig angegriffen wird: Zunächst natürlich von denjenigen, die offensichtlich der Auffassung sind, dass zu viel gesellschaftliches Mitgefühl mit Männern von den Problemen der Frauen ablenken würde. Jegliche Zuwendung zu den Männern, ob als Arzt, Therapeut oder Männergruppenanbieter, ist dann „Backlash“! Gleichzeitig wird es meist aber auch laut auf Seiten jener Männergruppierungen, die der gesellschaftlichen Abwertung von Männlichkeit vor allem dadurch begegnen wollen, dass sie Männer prinzipiell in allen Bereichen stark reden. Sobald man nun vorsichtig auf irgendeine männliche Problematik hinweist, ist man als „Nestbeschmutzer“ identifiziert. Die Intention ist offensichtlich dieselbe, nur vor einem ganz anderen Hintergrund: In diese Falle soll die Thematisierung männlichen Leidens, männlicher Schwächen, männlicher Probleme nicht deswegen unterbunden werden, weil sie angeblich frauenfeindlich wäre, sondern weil sie männerfeindlich, männerherabsetzend wäre!

Ich selber spreche ja oft und gerne über die Schwierigkeiten der Männer im Umgang mit Gefühlen. Auch an dieser Stelle sei dazu noch einmal angemerkt: Ich tue das weder, um Männer als Trottel darzustellen oder auf die Anklagebank zu setzen, noch beinhaltet mein Mitgefühl mit Männern irgendeine Form von Frauenabwertung. Dennoch habe ich schon für ein- und dieselbe Aussage der Kategorie „Männern fällt der Zugang zu den eigenen Gefühlen sozialisationsbedingt schwerer als Frauen“ fast zeitgleich die folgenden beiden Reaktionen erhalten:

1) „Ach ja, die ach so armen Männer! Ihr habt es wirklich schwer mit all Euren Machtpositionen und dem vielen Geld!“ (mittelalte Frau, offensichtlich direkt vom Schlachtfeld des Geschlechterkampfes)

2) „Jaja, wir Männer sind alles Idioten – geh doch nach drüben, Du frauenanbiedernder Warmduscher!“ (mittelalter Mann, direkt vom Schlachtfeld des Geschlechterkampfes)

Was lernen wir daraus: Über männliche Problemgebiete zu sprechen, ist frauen- und männerfeindlich! Faszinierend! Es wäre fast lustig – zumindest im sarkastischen Sinne -, wenn nicht auch das wieder Sinnbild für den gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema „Männlichkeit“ wäre. Ein Umgang, der trotz aller Erkenntnisse, Diskussionen und auch Veränderungen der letzten Jahrzehnte eine Prämisse anscheinend auf jeden Fall bewahren muss: Männer haben keine Probleme.

Von daher ist mein Ratschlag vom Anfang durchaus ernst gemeint: Erklären Sie lieber einmal zu viel als einmal zu wenig Ihre Intention, Ihre Position und den Hintergrund Ihrer Aussagen. Nur so haben Sie zumindest eine Minimalchance, der Masse an Interpretationen und Zuschreibungen zu entgehen, die wir alle bei der hochsensiblen Geschlechterfrage in uns tragen und sofort jedem unterstellen oder sogar um die Ohren hauen, der sich zu diesem Thema äußert. Mit der Konsequenz, dass die tatsächlichen Inhalte natürlich völlig verschwinden. Was mehr als bedauerlich ist.

Ich sage das alles also nicht, um Ihnen persönlich zu helfen, Volkes Zorn zu entgehen. Den können Sie sicher ertragen; den muss auch jeder ertragen können, der sich öffentlich zu Wort meldet. Ich sage das, damit Ihre wichtigen Inhalte und Denkanstöße tatsächlich an den Mann und an die Frau gelangen. Denn wir sind leider nicht so viele, dass wir es uns leisten können, falsch verstanden zu werden.

Wenn wir also wirklich einen anderen, einen geschlechterkampffreien Umgang mit dem Thema „Männlichkeit“ befördern wollen, dann tun wir gut daran, uns so verständlich wie möglich zu machen.