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Der männliche Raum im gemeinsamen Zuhause? – Die Garage oder der Hobbykeller

Ein schwieriges, aber für die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden unvermeidliches Thema, ist die Justierung von Nähe und Distanz in einer Beziehung. In Krisenfällen suchen Männer eher die Distanz und das gern in einer Umgebung, die körperlich, handfest und nonverbal ist.

Grundsätzlich wechseln Menschen in Beziehung zwischen den Polen der Intimität, der Nähe, der Verletzlichkeit und dem Aufgehen in einem Paar-Erleben einerseits und der Autonomie, Selbstbehauptung, Abgegrenztheit andererseits. Das passiert ständig und bestenfalls in verschiedenen stufenlosen Stadien. Die Gegensätzlichkeit dieser Pole und die Spannung, die dies erzeugt – gerade wenn die Bedürfnisse der Partner sich gerade nicht entsprechen – machen den Umgang mit dem Thema nicht leicht.

Leicht ist es dann, wenn jeder der Partner das Gespür für sein akutes Bedürfnis hat und es ausdrücken, umsetzen kann. Dann ist die Balance zwischen Nähe und Distanz ein unbewusster Vorgang, über den man weder nachdenken noch reden muss. Schwierig ist es natürlich, wenn der andere gerade das Gegenteil braucht, also die Bedürfnisse nicht synchron sind.

Ein Beispiel: Männer ziehen sich in Konflikten gern in innere Räume zurück – eine Art Schutzraum, der nicht viel nach außen dringen lässt und sie unbeteiligt wirken lässt – was meist nicht der Fall ist, während Frauen eher die gefühlsmäßige und körperliche Nähe suchen. Männer ziehen sich dann gern in ihre Höhle und am besten ans Feuer zurück, wollen allein sein, sich sortieren, runterkommen, Klarheit gewinnen. Aber welche Räume hat ein Mann dafür? Die meisten Räume werden gemeinsam genutzt, sind aber eher weiblich eingerichtet und dominiert.

Ganz offensichtlich wird das Problem, wenn ich einen Mann frage: „Welche Räume in Ihrem Zuhause sind denn maßgeblich von ihnen gestaltet, eingerichtet, nach Ihren Bedürfnissen oder Geschmack ausgerichtet?“ Der Mann: „Hm… schwere Frage.“ Leichter aufzuzählen ist, welche Räume die Frau gestaltet hat: Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Bad, Flur, Hauswirtschaftsraum/Waschküche usw. Da bleibt eigentlich nur: Garage oder Hobbykeller, vielleicht noch ein Arbeitszimmer, manchmal ein Gartenhaus.

Männer ziehen sich bei inneren Konflikten oder nach einem Streit gern in ihre kleine Werkstatt zurück, weil das ihre Domäne, ihr Terrain, ihre Burg ist. Dort redet niemand einem rein. Und diese Umgebung ist handfest, pragmatisch, nicht steril, kann auch ruhig unaufgeräumt und dreckig sein. Die Werkzeuge darin vermitteln: Probleme sind beherrschbar, man kann sie in die Hand nehmen, hin und her drehen, bearbeiten, und dann lösen! Eine Werkstatt ist das als beruhigend empfundene Gegenteil von: mit der Frau über die Beziehung und Gefühle reden.

Den Rasenmäher zu reparieren oder einen Küchenschrank zu bauen, gibt einem Mann deutliche und klare Gefühle von Kompetenz, Selbstwert und Stolz. Es stärkt den Glauben, das Leben in der Hand zu haben und es selbst zu bestimmen. Und Handwerkern hat immer ein sichtbares Ergebnis.

Bei inneren Spannungen stärkt allein diese handfeste Umgebung Männer. Auch jetzt wird der Werkzeugkasten, dieses Mal für Beziehungsprobleme, aufgeklappt und nach den passenden Werkzeugen gesucht. Und… okay…. dann wird’s schwierig!

Oft gehen Männer dann in die Natur, den Wald oder den Garten, um einfach nur draußen zu sein. Männer haben meist eine tiefe Verbundenheit zur Natur und fühlen sich draußen gestärkt und klarer. Das geht natürlich auch gut mit anderen Männern zusammen. Natur erleben, ohne reden zu müssen. Durch diese Stärkung und innere Distanz die Man(n) dadurch gewinnt, lassen sich oft schon neue Sichtweisen und ein anderes Verständnis für die Problemlagen erreichen. Auch ein gutes Gespräch über das Thema mit einem Freund kann einen dazu bringen. Denn mit sich, seinen Gedanken und Gefühlen allein zu bleiben, macht Männer einsam.