young man watching tv and drinking beer

Durch die Herausgabe von Männergesundheitsberichten kommt das Thema Männergesundheit in den letzten Jahren auch verstärkt in den Medien auf.

Die Aussagen dieser Berichte ähneln sich stark. Demnach seien die Männer selbst schuld an ihrem, gegenüber Frauen, schlechteren Gesundheitszustand, da sie sich in Sachen Gesundheit einfach falsch verhielten. Um Männer zu einer Einstellungsänderung zu bewegen, werden daher in Fachkreisen vermehrt passgenaue männerspezifische Präventionskonzepte gefordert, die die Männer ansprechen. Doch woran liegt es, dass es offenbar seit Jahren gelingt, Frauen im präventiven Sektor besser zu erreichen als Männer? Ist das wirklich allein die Schuld der Männer?

Ein Gebiet, welches sich seit mehr als 100 Jahren mit dem Gesundheitsverhalten der Bevölkerung auseinandersetzt, ist die Gesundheitsaufklärung. Ziel dieser ist es, durch die populärwissenschaftliche Vermittlung von in der medizinischen Forschung gewonnenen Erkenntnissen, die Menschen zu einem gesundheitsbewussteren Leben zu animieren. Für den Erfolg ist dabei insbesondere die Form der Ansprache entscheidend. Seit dem Aufkommen der Frauenbewegung und dem Einfluss der Frauengesundheitsbewegung in den 1970er Jahren wird in der Gesundheitsaufklärung zunehmend zwischen Männern und Frauen als Zielgruppe unterschieden. Dies hätte eigentlich eine genauere und damit erfolgversprechendere Ansprache zur Folge haben können – hat es aber nicht.

Um das Selbstbewusstsein der Frauen zu stärken, wurde von Seiten der Präventionsträger dazu übergegangen, in den Darstellungen der Gesundheitsaufklärung vorrangig positiv besetzte Frauenbilder zu zeigen. In Broschüren oder auf Plakaten sah man von da an ausschließlich noch Frauen, die nicht rauchten, keinen Alkohol tranken, Sport trieben oder Obst und Gemüse aßen.

Innerhalb der männerspezifischen Gesundheitsaufklärung setzte man dagegen weiterhin auf die Darstellung von negativen Beispielen, um eine Verhaltensänderung zu bewirken.

Drei Leitstrategien entwickelten sich in den 1970er und 1980er Jahren, die bis heute das Bild der Gesundheitsaufklärung für Männer prägen. Die häufigste Methode stellt die Kontrastierung von männlichem (= falschem) und weiblichen (= richtigen) Gesundheitshandeln dar. In einer zweiten Darstellungsweise findet man richtiges Gesundhandeln von Männern, welches jedoch aufgrund der Form der Ausübung aus gesundheitlicher Perspektive kritikwürdig ist. Man denke hier bspw. an die exzessive Praktizierung von Sport. In einer letzten Form der Darstellung werden Männer gezeigt, die zwar aus gesundheitlicher Sicht positiv handeln, jedoch erst nachdem sie die Auswirkungen ihres zuvor negativen Verhaltens durch körperliche Beeinträchtigungen deutlich zu spüren bekommen haben. So wird z. B. in einer Broschüre der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) aus dem Jahr 1984 über einen Büroangestellten berichtet, der verschiedene Techniken anwendet, um Stress zu vermeiden. Wenig später erfährt man, dass der Grund für dieses stresspräventive Verhalten in vor kurzem aufgetretenen Herz-Kreislaufproblemen liegt.

Unlängst hat sich gezeigt, dass das Arbeiten mit positiven Vorbildern erfolgsversprechender als der Einsatz von Abschreckung ist. Dies wurde bereits vor Jahren überall erkannt, in der Männergesundheitsaufklärung jedoch noch nicht. Im Gegenteil werden seit über 40 Jahren Ansätze verfolgt, die bei Männern eher Reaktanz auslösen als sie zum Handeln zu motivieren. Daher verwundert es auch nicht, dass sich in dieser Zeit die dichotomen Bilder von der „Gesundheitsexpertin“ Frau und dem „Gesundheitsmuffel“ Mann weiter verfestigten. Hieran kann jedoch ausnahmsweise nicht den Männern die Schuld gegeben werden.