Hier nun die grundlegende Frage einmal etwas aufgedröselt. Was ist eigentlich Männergesundheit? Gibt es im Gesundheitsverhalten wirklich grundlegende Unterschiede zwischen Frauen und Männern? Und wie könnte eine sinnvolle geschlechtsspezifische Prävention aussehen? Wenn man in einer normalen Hausarztpraxis arbeitet, würde man wahrscheinlich keine wesentlichen Unterschiede bewusst wahrnehmen. Hier finden sich schon seit vielen Jahren und Jahrzehnten eher die Frauen ein. Frauen gehen 20 mal im Jahr zu Arzt, Männer „nur“ 14 mal. Man könnte dabei provokativ fragen: Wer ist gesünder von den beiden? Männer sterben in Deutschland immer noch 5-8 Jahre früher als Frauen. Manche Männer sagen dabei: „Dann geht´s halt fünf Jahre früher in die Kiste. Ich will sowieso keinen Alzheimer bekommen!“ Das „andere“ und ich sage bewusst nicht das schlechtere Gesundheitsbewusstsein führt aber bei Männern nicht selten zu einer eingeschränkten Lebensqualität. Die „als Frauen“-Statistik ist da sehr eindeutig. Sie erleiden 10 Jahre früher einen Herzinfarkt, rauchen häufiger, trinken mehr Alkohol, haben häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen, erleiden häufiger schwere Unfälle und bringen sie 3 mal so häufig um. Jeden Tag nehmen sich ca. 2 Fußballmannschaften an Männern das Leben. Zum Vergleich, bei den Frauen wäre das, um klischeehaft zu bleiben ein Kaffeeklatschtisch von 6 Frauen. Aber ich möchte das Thema hier nicht verharmlosen oder mich darüber lustig machen. Diese Bilder sollen einem das Thema nur noch mehr verdeutlichen. Zusammenfassend bedeutet das, dass die Gesundheit der Geschlechter unterschiedliche Verläufe in der Gesamtheit nimmt. Nun fragen sich viele: Warum ist das so? Wo liegt der Unterschied genau? Manche sehen das hormonell bedingt. Die einen haben Testosteron, die anderen nicht. Von daher müsste der Männerarzt Urologe alles lösen können. Könnte man meinen. So leicht ist die Männerwelt aber nicht. Es handelt sich eher um einen multifaktoriellen Entwicklungsprozesses, welcher viele Ebenen beinhaltet. Nicht unwesentlich scheint dabei die soziokulturelle Herkunfkt und Prägung. Wie werden Jungen in der Gesellschaft angenommen, geprägt und welche Männer entwickeln sich daraus? Jeder kennt den Spruch: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“ Man könnte es auch anders bezeichnen: Das „Drück-es-weg!“-Lernen. Das lernt der eine so und der andere so. Es gehört einfach zur Sozialisation des Mannes dazu. Stets Stärke zeigen und leistungsfähig bleiben. Es kann natürlich auch eine Ressource sein, nicht jede „Sache“ auszuleben. „Schwäche können“ gehört erst einmal nicht dazu. Das ist eigentlich relativ neumodischer Kram. Ein beginnende Selbstreflexion des Mannes gibt es erst seit ca. 40 Jahren mit Beginn der 68iger. Was die Evolution angeht, bekannterweise eine sehr kurze Zeit. Dies ist für das Verstehen der Männergesundheit nicht unwesentlich. Krankheit bedeutet erst einmal Schwäche, und die will wie schon beschrieben auch gelernt sein. Wenn mann im Krankenhaus in der chirurgischen Notaufnahme arbeitet, wundert man sich anfangs über die stets wiederkehrenden großen starken Männer die bei einer Schnittverletzung umkippen oder kurz davor sind. Das habe ich erlebt und noch nicht vollkommen verstanden. Wenn ich jetzt darüber philosophieren darf, würde ich mir mit dem Wissen der Männerforschung es so denken, dass diese Männer in der Bewusstwerdung der eigenen Verletzlichkeit eine psychovegetative Reaktion haben und kollabieren. Sie haben im Unterbewusstsein die Angst des Verblutens, des Ablebens. Diese akute Schwäche oder eine länger währende Erkrankung muss bei nicht erlerntem schwach sein, Angst und Vermeidung erzeugen. Man weiß auch aus der Männerforschung nicht selten eine versteckte Krebsangst verspüren. Als ich letztens, eigentlich im Spass meinend, einem Mann bei seinem von ihm beschriebenen Infekt sagte: „Krebs is es Gott sei Dank nich!“ löste sich seine Anspannung und er seufzte tief mit einem ablassenden „Uhhh…“ durch. Er war halt nach eigener Aussage ca. 20 Jahre nicht mehr bewusst krank gewesen. Da kann man das schon einmal verlieren, diese Gefühl der Schwäche. Zum Schluss kommend, warum nun dieses Bild des Ford S-Max in der Werkstatt? Ich habe hier bewusst ein Bild von dieser Automarke genommen. Es gab vor Jahren einen Werbespruch zur schnellen Reparatur: Rein-Rauf-Runter-Raus. Dieser Spruch verkörpert für mich die „Reparaturmedizin“ vieler Männer. Mann geht zum Arzt wenn eher nichts mehr geht. Und dann muss schnell und kompetent geholfen und heile gemacht werden. Prophylaktisch wird da eher nicht so viel gewollt. Oder wie sehen Sie das?