Ein wechselhafter Tag in München. Auf dem Weg zum 6. Präventionskongress des Bundesministeriums für Gesundheit und der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. sehe ich an einer Bushaltestelle die neue Werbekampagne eines Deoherstellers mit Bastian Schweinsteiger von Bayern München. Ich sage mal „Spruch des Tages“ – „Echte Männer weinen nicht, es sei denn sie werden Champion.“ Das passt zum Thema des Kongresses: Geschlechterspezifische Prävention und Gesundheitsförderung. So müssen ja alle sensiblen und selbstfürsorgenden Männer Champions sein. Das wäre doch klasse! Wenn wir also Männer zu (Selbst)Champions machen würden, wären fast alle Probleme der erschwerten Ansprache von Männern in der Gesundheitsförderung gelöst. Schön wär´s!? Beim Kongress sind geschätzt 80% anwesende Frauen, der Rest… Männer. Fast der Schnitt der BesucherInnen einer Hausarztpraxis. Diese Menschen kümmern sich um Prävention in Deutschland. Sie alle wollen zunehmend spezifischer arbeiten und mehr Menschen beim Thema Gesundheit erreichen, Frauen wie Männer. Die Geschlechtsunterschiede werden hier akzeptiert und gut statistisch aufgearbeitet. Ich höre, Männer sind nicht alleine die Gesundheitsmuffel, ältere Frauen auch. Und es wird berichtet, dass junge Männer zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr eine 4x höhere Sterblichkeit haben als ihre Altersgenossinnen. Natürlich dank Alkohol und risikoreichem Verhalten (Sport/Auto/Imponiergehabe). Manches weiß man(n) schon, manches ist neu. Dann kommt der Psychologe und Männergesundheitsforscher Herr Altgeld, es wird bunt und männlich anfassbar und die Frauen kichern schnell vor Begeisterung. Oder ist das Auslachen oder das Aufnehmen von Nachrichten aus einer völlig anderen Welt? Plötzlich geht es nicht mehr nur um Gesundheit. Es geht darum: Wie gestalten sich Männer/Frauen-Klischees? Wie sehen Frauen Männer? Und umgekehrt? Wie sehen „schlaue“ Männer „nicht so schlaue“? Was wird automatisch „dem“ typischen Mann vom Gesundheitsverhalten zugeordnet? Warum sollen sich eigentlich Männer gesundheitlicher verhalten? Wozu? Für die Frauen? Damit sie auch 5 Jahre älter werden und vielleicht später mit einer Demenz im Altersheim liegen und vor sich hin vegetieren? Darf man das so pointieren? Wie schon berichtet fahre ich noch dann und wann im kassenärztlichen Notdienst Haus- und Heimbesuche. Da will ich als Mann sicher nicht meine letzten Jahre verbringen. Aber das nur nebenbei. Herr Altgeld geht in seinen sehr bildlichen Ausführungen auf die Krux ein, dass wir glauben, aufgrund des schon eher von Männern gezeigten Risikoverhaltens, wir dies auch ständig bei ihnen ansprechen sollten. Der Glaube dabei besteht darin, riskantes Gesundheitsverhalten aufzuführen und mit dem Tode indirekt zu drohen. Wie soll das Lust auf Selbstfürsorge machen. So stumpf sind „wir“ dann doch nicht. Ich habe Herrn Altgeld auch vor einigen Wochen besucht und ihn zu meinem Buchprojekt befragt. Auch hier empfahl er so wie in seinem Vortrag einen humorvolleren Umgang mit „Männer“Gesundheitsthemen. Ein zweiter Tipp war, die schon angesprochene Stigmatisierung für die Ansprache zu nutzen und sie dann in der Arbeit aufzulösen. In der direkten Ansprache kann man damit nämlich ziemlich auf dem Bauch landen. Also Stigma wertschätzend und humorvoll als Ansprachemethode einsetzen und dann den Männern aus ihrer Stigmatisierung helfen,… wenn sie das wollen. Zurück zum Kongress, ich stelle mir nun all diese „neu befruchteten“ Frauen vor und frage mich, was sie zukünftig in ihrer Arbeit für und mit Männern ändern werden. Es wird spannend, ob wir es schaffen, geschlechtersensibler zu fördern und nicht wieder alte Rollenklischees zu bedienen – Frauen brauchen das und Männer das. Immer an die Yoga-Männer der Berliner Stadtreinigung denken. Querdenken und ausprobieren hilft. Von daher hat sich der eher wechselhafte Tag in München gelohnt.