belly fat man on gray background

Schon immer gibt es Vorstellungen darüber, was schön ist und was nicht. Dies gilt in besonderem Maße auch für den menschlichen Körper. Dass sich die Vorstellungen über die Schönheitsideale im Laufe der Zeit veränderten, ist nichts Neues. Als Paradebeispiel dafür werden in der Regel die von Peter Paul Rubens im 17. Jahrhundert gezeichneten üppigen Frauenkörper angeführt, die weit von den heutigen Leitvorstellungen über eine schöne Frau entfernt waren. Die gesellschaftlichen Vorstellungen zum weiblichen Schönheitsbild waren immer wieder Veränderungen unterworfen. Mal sollten die Frauen etwas schlanker, danach sehr schlank, später wohl proportioniert und anschließend fast androgyn sein. Großer Busen, kleiner Busen, breites Becken, schmale Hüfte waren weitere Leitbilder, die sich im Laufe der Geschichte änderten.

Denkt man aber an den Mann, so fallen einem kaum derartige Veränderungen ein, obwohl es sie durchaus gegeben hat. Allein diese Tatsache zeigt, dass der männliche Körper in seiner gesellschaftlichen Bedeutung deutlich hinter dem der Frau steht. Doch zurück zu den Veränderungen: Woher kommt nun das Leitbild des schlanken, trainierten und fitten Mannes?

Insbesondere für beruflich erfolgreiche Männer galt lange Zeit, dass das Aussehen nicht so wichtig sei. Ein „Wohlstandsbauch“ suggerierte noch bis in die 1960er Jahre Erfolg auf ganzer Linie. Insbesondere in den von Hunger und Entbehrung geprägten Nachkriegsjahren brachte Man(n) damit zum Ausdruck, nicht darunter leiden zu müssen. Man denke nur an den Wirtschaftsminister und späteren Bundeskanzler Ludwig Erhard, der als „Vater des Wirtschaftswunders“ ein Sinnbild für den erfolgreichen Mann der Nachkriegszeit ist.

Das aus den USA kommende und sich in Deutschland schnell verbreitende Risikofaktorenmodell konnte Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre einen deutlichen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Herz-Kreislauferkrankungen belegen. Nun hatte man, was die Männer betraf, ein Problem: Aus gesundheitlicher Sicht war Schlankheit die ideale Körperform, Übergewicht suggerierte aber Erfolg. Um die Männer trotzdem davon zu überzeugen, sich schlank zu halten, ging man in der Gesundheitsaufklärung nicht nur dazu über, verstärkt auf die Schädlichkeit des Übergewichtes hinzuweisen, sondern auch Schlankheit als ein Schönheitsideal zu propagieren. So wurden auf Bildern und in Videos nur noch schlanke Männer als Vorbilder eingesetzt.

Die ebenfalls aus den USA überschwappende Fitnessbewegung, die ab Ende der 1960er Jahre in der BRD allmählich Einzug hielt, erlebte in den 1980er Jahren ihren endgültigen Durchbruch und trug weiter zur Etablierung eines neuen Männlichkeitsleitbildes bei. Bereits um 1960 entstanden die ersten Fitnessstudios. In Deutschland wurde bereits 1956 das erste Studio in Schweinfurt eröffnet. Dieses hatte jedoch noch wenig mit den heutigen Studios gemein. Vielmehr waren diese Einrichtungen „Muckibuden“, die den professionellen Bodybuildern á la Arnold Schwarzenegger einen Anlaufpunkt zum Vergrößern ihrer Muskelberge boten. Fitnessstudios, die sich ganz auf den Fitnessaspekt, also einer Mischung aus Kraft und Ausdauer, konzentrierten, kamen in der Bundesrepublik in den 1980er Jahren auf und erleben bis heute einen Boom – zunächst vorrangig durch Männer, längst aber auch durch Frauen.

Doch warum sprachen zu Beginn vor allem die Männer so auf die Fitnessbewegung an?

Fitness ist eine konkrete Sport- und Körperpraktik, die es den Männern ermöglicht, ihren Körper zu formen. Die notwendige Disziplin beim Training, Ausdauer und Durchhaltevermögen sind Eigenschaften, die von Männern gerne genutzt werden, um die eigene Männlichkeit besonders herauszustellen und sich gegen andere abzugrenzen. Männlichkeit stellt in diesem Zusammenhang mehr und mehr eine ganz spezifische Form der Körperinszenierung dar, die darauf ausgelegt ist, bestimmte Körperpartien, bspw. den Bauch oder den Bizeps, zu formen. Die Durchsetzung von Fitness als Gesundheits- und Schönheitspraxis speziell bei Männern hängt wohl darüber hinaus auch damit zusammen, dass Sport per se nicht als Schönheitshandeln galt und ihnen dadurch die Möglichkeit gab, sich vom traditionell weiblichen Gesundheits- und Schönheitshandeln, wie Diäten, Haarkuren, Make-Up, abzugrenzen. Auch wenn davon auszugehen ist, dass Fitness von einem Großteil der Männer in erster Linie als Schönheitspraktik betrieben wurde, die dazu dienen sollte, die vorherrschende Körpernorm zu erfüllen und gesundheitliche Belange erst, wenn überhaupt, an zweiter Stelle als Grund rangieren, ändert dies nichts an den positiven Effekten für die Gesundheit. Ein Großteil der Männer nutzt – ähnlich wie die Frauen – das Fitnesscenter also vornehmlich aus Gründen des Aussehens, tut damit aber gleichzeitig etwas für die eigene Gesundheit.

So setzte sich in den 1980er Jahren allmählich ein Leitbild des schlanken und trainierten Männerkörpers durch, welches mittlerweile auch in der Gesellschaft immer bedeutender wird.

Der fitte und trainierte Körper wird insbesondere für junge Männer immer wichtiger, da es für sie schwieriger ist, sich über andere Statussymbole, wie große Autos oder teure Armbanduhren, zu definieren. Ein geformter Körper ist hingegen nicht mit Geld, sondern nur durch den eigenen Einsatz zu erreichen. Für sie ist ein fitter Körper kein Ausdruck des Erfolges, sondern zunächst nur eine Voraussetzung dafür, später überhaupt erfolgreich sein zu können. Denn ein trainierter Körper suggeriert auch potentiellen Arbeitgebern, dass man „harte Arbeit“ gewohnt ist. Ein übergewichtiger Körper wird in unserer heutigen Gesellschaft hingegen – sowohl bei Männern als auch Frauen – als ein Symbol für Schwäche interpretiert und damit aus den Reigen der Erfolgreichen ausgegrenzt.