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Nach den Herbstferien geht es nun weiter. Heute: Boxenstopp – Teil II. Damit setze ich das Thema Resilienz fort.

Der Begriff Resilienz kommt eigentlich aus der Werkstoffkunde und bezeichnet die Fähigkeit eines Stoffes, nach z.B. Druck seine ursprüngliche Größe und Form wieder anzunehmen – wie ein Softball, der nach dem Zusammendrücken wieder groß wird.

Übertragen wird dieser Begriff in der Psychologie mittlerweile benutzt für die Widerstandsfähigkeit gegen Stress und Anforderungen verbunden mit dem Bild eines Stehaufmännchens.

Die positive Idee dahinter ist für mich ein Leben, in dem unser Ich, unsere Persönlichkeit in den vier Dimensionen Körper, Seele, Verstand und Gefühle ausbalanciert, gefüllt und in Übereinstimmung mit den eigenen Bedürfnissen ist. Das ist das, was uns gesund hält.

Mein Vorschlag dazu ist: nehmen Sie sich ein wenig Zeit, um innezuhalten und einige Aspekte Ihrer Persönlichkeit genauer zu betrachten, Ihre Motive, Werte und Verhaltensweisen zu erforschen und daraus praktische Schritte hin zu mehr Flexibilität und Widerstandsfähigkeit zu entwerfen.

Heute geht es um das Thema Selbstwert.

Das Selbstwertgefühl der meisten Männer beruht überwiegend auf wenigen Grundpfeilern. Ein Werbespot für eine Bank, der das thematisiert, ist mittlerweile allgemeines Kulturgut geworden: zwei Männer, die sich nach einigen Jahren wiedertreffen, antworten auf die Frage: „Und was machst du so?“, mit Stolz gezückten Fotos: mein Haus – mein Boot – meine Frau!

Tatsächlich bringt es das Muster ganz gut auf den Punkt – wobei mich persönlich der hämische Unterton, der sich in dem Spot transportiert, sehr stört, ich sehe ihn als Teil der mittlerweile etablierten gesellschaftlichen Abwertung von Männern. Männer definieren sich und ihren Selbstwert stark über das Erreichte: Einfluss, Geld, Macht, Besitz – was sich eben vorzeigen lässt. Das Erreichte ist sichtbarer Beweis für Erfolg – der sich überwiegend aus Arbeit speist. Das hat erst mal gar nichts zu tun mit Oberflächlichkeit oder mangelndem Tiefgang, sondern eher mit der visuellen Vorliebe von Männern – was man sehen kann, ist real und wahr… und umgekehrt.

Für diese Konzentration auf wenige Pfeiler zahlen Männer mit einer großen Verwundbarkeit, wenn dieser Pfeiler bröckelt oder sogar wegbricht. Nicht ohne Grund ist der Anteil der Depressionen bei langzeitarbeitslosen Männern deutlich höher als bei Frauen.

Und was dabei zu kurz kommt, sind Erfolge wie z.B. innerer Frieden, Gefühle, Werte, Beziehungen, die Mann gelingen.

Ein stabiles männliches Selbstwertgefühl, das sich auf viele Grundpfeiler verteilt und diese innere Realität mit einbezieht, ist ein guter Schutz vor chronischer Überlastung und Burnout.

Zur Stärkung empfehle ich die Übung Selbstwertwaage:

Schritt 1

Nehmen Sie ein DIN3-Blatt (zwei A4-Blätter nebeneinander) und kennzeichnen die linke Hälfte oben mit einem „+“, die rechte mit einem „-„. Dies symbolisiert die Waage.

Schritt2

Stellen Sie sich die Frage:

Was habe ich im Leben bis jetzt erreicht? Was sind meine Erfolge? Und was sind meine Misserfolge?

Listen Sie diese jeweils in der Waageschale auf.

Fragen zu Erfolg +

Was habe ich geschafft?

Was habe ich erreicht?

Worauf bin ich stolz?

Bennen Sie auch scheinbar Selbstverständliches! Schulabschluss, Ausbildung absolviert, Kinder großgezogen, Ehepartner durch schwierige Zeiten begleitet, einen Angehörigen gepflegt….

Betrachten sie auch Ihre Charaktereigenschaften im Umgang mit Menschen: Geduld, immer ein offenes Ohr für andere, den Kindern die eigenen Werte vermittelt, innere Ruhe, Ausgeglichenheit, nie den Glauben an sich selbst verloren haben etc..

Fragen zu Mißerfolg:

Was habe ich noch nicht erreicht und was werde ich auch nicht mehr schaffen?

Was habe ich unwiederbringlich vergeigt?

Dinge wie: „Ich wollte eigentlich schon immer mal eine lange Weltreise machen!“ zählt solange nicht dazu, wenn Sie es noch realisieren könnten.

Schritt 3

Wenn Sie mit dieser Sammlung fertig sind, treten Sie einen Schritt zurück und betrachten das Schaubild als Ganzes. Nehmen Sie bewusst Ihre Gefühle und Ihren Körper wahr, betrachten Sie, welche Gedanken das Bild mit sich bringt.

Schritt 4

Wenn Sie Ihre Erfolge betrachten: Welche innere Überzeugung, welche Kraft hat Ihnen dies ermöglicht? Versuchen Sie, ihre Stärken wohlwollend und positiv zu sehen, erlauben Sie sich, Stolz darauf zu sein. Diese Kraft wird Ihnen auch in Zukunft ermöglichen, mit negativen Erlebnissen souveräner umzugehen und schwierige Situationen zu meistern.