COLOURBOX7612278 KopieHeute ein kurzer Bericht vom Treffen des Netzwerkes Jungen- und Männergesundheit in Dresden am letzten Wochenende. Hierbei treffen sich seit über 10 Jahren in unregelmäßigen Abständen meist nicht-medizinische Fachleute zum Thema Männergesundheit und diskutieren über neue Wege und Erkenntnisse ihrer Männerarbeit. Ich konnte dieses Mal erstmals teilnehmen.

Zu Beginn gab Martin Dinges aus Stuttgart einen historischen Abriss über die Männergesundheitsgeschichte seit Beginn der Industralisierung. Sein Hauptfazit bestand darin, dass wir Männer uns in der sogenannten Gegen-Medikalisierung befinden würden, um uns von den weitestgehend medikalisierten Frauen zu unterscheiden. Hiermit ist zum einen gemeint, dass gewisse gesundheitliche Frauenthemen wie Menstruation, Verhütung und usw. per se einen Krankheitsstempel von der Gesellschaft aufgedrückt bekommen hätten. Ausserdem wäre die Frau schon immer eher in der Kümmerrolle gewesen und hätte sich deswegen um die gesundheitliche Lage der gesamten Familie gesorgt. Diese Rollenbilder bröckeln erst seit Beginn der Emanzipation und sind noch lange nicht ganz aus den Köpfen der Menschen.

Zentrales Thema des Treffen war aber der aktuelle Männergesundheitsbericht. Viele Jahre wurde versucht, das Thema Männergesundheit auf die politische Ebene zu tragen. Es war Ziel, Männer und ihre gesundheitlichen Belange stärker in das Bewusstsein der Gesundheitspolitik zu tragen. Dazu benötigte man einen umfassenden Männergesundheitsbericht, der die gesundheitliche Lage der Männer in Deutschland darstellen konnte. Dieses Ziel wurde nun Anfang des Jahres nach über 4 Jahren Erstellungsarbeit erreicht. Das Robert-Koch-Institut aus Berlin veröffentlichte den ersten gesamtdeutschen Bericht. Von dieser Arbeit und den auch bestehenden Schwierigkeiten berichtete Anne Starker auf dem Treffen.

Doch was kommt nun, wenn die jahrelange MännergesundheitsfOrderung endlich Zahlen sehen zu wollen, erfüllt ist. Ist jetzt Ruhe?! Reicht das?! Natürlich nicht! Es muss und soll nicht nur im Netzwerk weitergehen. Wir brauchen jetzt sozusagen eine MännerGesundheit 2.0. Man war sich auf dem Treffen darüber einig, dass nun nach dem offiziellem Feststellen der eingeschränkten gesundheitlichen Lage deutscher Männer die Auseinandersetzung zum Thema MännergesundheitsfÖrderung stattfinden müsse. Doch was gibt es dort an Zahlen, Daten und Fakten? Wenn man ehrlich ist, eigentlich noch nicht viel. Vieles in der Prävention (…und das gilt allgemeingültig auch ohne Männerspezifität) ist bislang nicht gut untersucht. Was hilft und was nicht? Wann verändern Menschen ihr Gesundheitsverhalten und wann nicht? Und wie können wir Männer beim Thema Gesundheit erreichen? Welche Zugangswege brauchen wir? Welche Maßnahmen machen Sinn? Und was hat vielleicht in der Vergangenheit schon intuitiv funktioniert, was wir jetzt im Nachhinein noch einmal wissenschaftlich untersucht begründen sollten?

Dazu hörten wir am zweiten Tag des Treffens Dirk Sander, der für die AIDS-Hilfe in Berlin arbeitet. Die AIDS-Prävention, welche sich immer noch primär an Männer richtet, hat über 30 Jahre Erfahrung in der Männergesundheitsförderung. Zwar unter einem besonderen Stern bzw. Themenkomplex, aber das spielt eigentlich keine Rolle. Denn wer es gelernt hat, nicht omnipräsente schwule Männer in der Gesellschaft zu erreichen, kann uns vielleicht beim Erreichen von omnipräsenten heterosexuellen Männern weiterhelfen. Hierbei geht es natürlich (welch Wunder!) um die passgenaue Gesundheitskommunikation in Wort und Bild. Wie kann man Männer sprachlich und bildlich erreichen? Die AIDS-Hilfe darf aufgrund ihrer doch jungen Geschichte und ihrer Zielgruppe wahrscheinlich mehr, als wir in der klassischen Gesundheitsförderung. Aber warum lernen wir nicht voneinander? Warum springen nicht auch wir mal ins kalte Wasser und probieren neue Wege in der Männeransprache und -bildlichkeit? Ich denke, es bedarf nur eines sich Trauen. Wenn wir Männer ernst nehmen wollen, sollten wir ihre Sprache sprechen und das „Direkt heraus“ suchen bzw. anbieten. Sie werden es uns danken, davon bin ich sicher. Also, vom O zum Ö – MännerGesundheit 2.0! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen wie immer eine gesundheitliche Woche.

Siehe auch:

http://www.netzwerk-maennergesundheit.de

http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GesundAZ/Content/M/Maennergesundh/Maennergesundh.html

http://www.iwwit.de