hard timesKaum jemand hat uns Männern besser aus der Seele gesprochen als Grönemeyer: Gerade in „Männer“ geht es um viel Licht und Schatten in unserem Männerdasein: es geht um das Kreative, Pionierhafte, unseren Mut und unsere Power, aber auch um den Preis, den wir Männer oft dafür zahlen. Einer davon ist das, womit wir unser Auspowern oft bezahlen: Alkohol. Die meisten Männer haben eine lebhafte Geschichte mit ihm: Alkohol hat eine Rolle in unserer Jugend gespielt, beim Mannwerden mit Trinkspielen und Prahlerei, mit dem uns-dicke-tun, andere unter den Tisch zu trinken, es Männern (und natürlich Frauen!) zu beweisen, was wir für tolle Männer sind.
Und auch später gehört Alkohol noch zu unseren Festen und zu unserem Alltag fest dazu – In verschiedenen Funktionen: als Abbau von Hemmschwellen zum Tanzen, zum Reden, zum Anmachen! Aber auch fortgesetzt als Kompensationsmittel, um Stress – ziemlich schnell – abzubauen, um runter zu kommen. Im mittleren Alter wird Alkohol unser ständiger Begleiter in der Woche und am Feierabend. Damit lassen sich scheinbar alle Probleme schnell lösen. Aber wir wissen auch alle sehr viel von den Schattenseiten des Alkohols in unserem Leben: Dinge unter Alkohol gemacht zu haben, für die wir uns schämen, die uns leid tun, die falsch gelaufen sind, die nicht wieder rückgängig zu machen sind: Wir haben möglicherweise unter Alkohol anderen Menschen sehr weh getan, haben unter Alkohol mit Gewalt zu tun bekommen, oder selbst Gewalt ausgeübt – was wir sonst nie tun würden. Und Alkohol kann eine Hass-Liebe werden: wir mögen ihn um seiner Wirkungen und Funktionen willen, und natürlich hassen wir ihn, weil der Kater, die Katerstimmung, unser Unwohlsein – all das führt dazu, dass wir sagen „Nie wieder!“ – was dann in der Regel nicht lange hält.
Wie auch immer: Alkohol ist für die meisten Männer ein Thema! Nicht der Alkoholismus – von dem sind die meisten von uns ganz weit entfernt, aber der mehr oder minder problematische Umgang mit Alkohol ist es, der den meisten Männern zu schaffen macht: das „Über-den-Durst-trinken“, breit gewesen zu sein, sich zu etwas hinreißen lassen. Das Problematische daran ist, wenn wir es nicht wollen, wenn wir es nicht einplanen, und wenn uns Rausch und Kater eigentlich im Wege sind und wir Dinge tun, die wir nicht tun woll(t)en, aber die nun mal raus sind. „Genuss ohne Reue“ ist etwas anderes!
Es gibt viele Gründe unser Verhältnis zu Alkohol zu überdenken: vor allem die Selbstverständlichkeiten im Umgang mit Alkohol, das Rituelle, scheinbar Normale mit der wir Alkohol ordern – fast ohne drüber nachzudenken, ob es nicht allein der Biergeschmack auch tun würde – alkoholfrei! Oder später anfangen zu trinken, oder Tage auszulassen, an den mann nicht trinkt, im Freundeskreis ‚anders‘ zu feiern oder zusammen zu sein.
Hört sich alles an wie das „Wort zum Alkohol“ – ich weiß! Nur die Frage ist, wie können wir den Alkohol beHERRschen und nicht er uns – doch nur indem wir uns darüber klarwerden, wie und wann wir ihn am besten einsetzen, und welche Rolle er in unserem Leben spielt und spielen soll.
Winston Churchill hat einmal gesagt: „Ich habe mehr aus dem Alkohol rausgeholt, als er aus mir!“ – Kein schlechtes Motto, oder?