HeadstandIn der Männerarbeit bekommt man viel Gegenwind, Ablehnung und Abwehr. Nicht alles ist offensichtlich, vieles sehr verdeckt und schwierig zu explorieren. Vom klassischen Männerspruch habe ich hier schon häufiger berichtet. Er drückt eigentlich das kleine Auskämpfen der hierarchischen Stellung aus, steht aber nicht selten auch einfach für männliches Abwehrverhalten. Durch das häufig von Männern gezeigte Externalisieren von seelischen Sorgen in ein gefährdendes Gesundheitsverhalten oder körperliche Beschwerden kommt es entscheidend auf die Ansprache an. Männern blockieren lange und benötigen so manches Mal einen etwas unkonventionellen Zugang. Sei es das man auf die Männer Art und Weise etwas dumm anmacht (der klassische Männerarschtritt beim Arzt) oder genau das empfiehlt, was eigentlich gesundheitlich nicht angesagt wäre.
Ullrich Gehring, Psychologe und Mitinhaber der gk-Quest-Akademie aus Heidelberg nennt das gerne in seinen Seminaren die „Kopfstandmethode“. Es geht dabei darum, wie man eine Situation, die schon „scheiße“ ist, noch „beschissener“ machen. Diese Form der Intervention führt dazu, dass man Selbstwirksamkeit beim Klienten induziert. Immer unter dem Motto: „Wenn ich es schlimmer machen kann, kann ich es auch besser machen.“
Diese Art der Ansprache nennt man paradoxe Intervention. Wikipedia schreibt dazu:

„Die Paradoxe Intervention ist eine psychotherapeutische Methode, die in den 1970er Jahren besonders in der systemischen Therapie als Mittel eingeführt wurde, um paradoxe Kommunikation aufzulösen.
Durch die paradoxe Intervention soll eine festgefahrene Sichtweise erschüttert werden, um so eine Problemlösung möglich zu machen. Methoden sind z. B.:

– Symptomverschreibung
– Reframing (positive Umdeutung des Symptoms)
– Rückfallvorhersage
– Utilisation eines Symptoms

Bei der Symptomverschreibung wird das als problematisch verstandene Verhalten gefördert. So kann z. B. die therapeutische Verschreibung in einer Paartherapie, in der sie ihm vorwirft, im Haushalt nichts zu tun, in folgender Anweisung an ihn bestehen: Bis zu unserer Sitzung unterlassen Sie jede Tätigkeit im Haushalt. Das eigentliche Problem (nämlich der Gedanke, dass er dauernd etwas tun müsse) löst sich dadurch auf.
Nach Viktor E. Frankl, Paul Watzlawick und Jay Haley kann dieses Verfahren zur Symptomreduktion führen, sofern das Zielverhalten durch Spontaneität gekennzeichnet ist und der Kampf gegen das Symptom zu seiner Aufrechterhaltung beigetragen hat.“
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Paradoxe_Intervention)

In meiner Arbeit arbeite ich häufig mit der bereits von Wikipedia beschriebenen Symptomverschreibung.
Auch ist das Reframing eine sinnvolle Maßnahme. Hierbei wird aus dem noch so „beschissenen“ Zustand irgend etwas kleines Positives gezogen und aufgewertet. Im Buch werde ich beschreiben, wie man aus der „Erfolgs-Mücke“ einen „Ich-schaffe-das-Elefanten“ machen kann.
Auch ist die Rückfallvorhersage häufig sinnvoll einzusetzen. In der Vorbereitung auf ein mögliches Scheitern, ist „der“ Mann in seiner Rolle entlastet und kann leichter ein Scheitern ansprechen, erörtern und hinnehmen. Alleine diese Offenheit baut schon die Wahrscheinlichkeit dieses „Ich werde versagen“ ab.
Die Utilisation des Symptoms bedeutet, sich zu überlegen, wozu könnte das gefährdende Gesundheitsverhalten denn noch dienen. Vielleicht hat es ja auch positive Seiten? Dies nutze ich häufig bei Rauchern, die eigentlich keine Lust haben, mit mir als Arzt übers mögliche Nichtrauchen zu sprechen. Mein Ansatz ist dabei, über die positiven Folgen der Raucherpause zu sprechen. Eine Raucherpause bedeutet ja immer auch viel Alltagsbewegung „Treppe runter, Treppe rauf“. Und eine Raucherpause hat auch immer gute kommunikative Eigenschaften. Diese Intervention wird natürlich nur von dem Gedanken getragen, sinnvoll ins Gespräch zu kommen. Raucher wissen, dass ich das nur bedingt ernst meine und als Arzt die negativen Folgen im Vordergrund sehe. Aber darum geht es ja in diesem Moment auch gar nicht.
Also wenn Sie nicht auch schon so mit Männern arbeiten, versuchen Sie es doch einmal. Es ist sehr spannend und effektiv. Man muss es allerdings aushalten können, auch mal in Fettnäpfchen zu treten. Bitte immer an die liebevolle Konfrontation von Björn Süfke, dem MännerTherapeuten denken. Direkt das Problem ansprechen und gleichzeitig dabei wertschätzend bleiben, das ist die Kunst.
Wie immer wünsche ich Ihnen eine gesundheitliche Woche.