Man's finger in noseNeben dem Männergesundheitsgespräch sehe ich die Männergesundheitskommunikation als entscheidenden Türöffner für Männer, sich mehr ihrer Selbstfürsorge zu widmen. Da sich Männer weniger in Behandlung begeben, weniger sich mit der eigenen Gesundheit beschäftigen und das Thema Gesundheit eher als langweilig empfinden, sind die richtigen Kommunikationsstrategien und -wege von zentraler Bedeutung. Wenn wir schon nicht darüber ins Gespräch kommen, sollten wir im Vorfeld neugierig machen, neuartig informieren und zu mehr Handeln motivieren.
Wenn ich Vorträge oder Seminare über Männergesundheit vor Männern halte und dieses Bild mit dem Finger in der Nase und dem Motto „Langweilig: Gesundheit“ vorführe, bricht meist ein schallendes Gelächter aus. Wenn ich dann noch sage: „So habt ihr Euch heute morgen wahrscheinlich gefühlt, als ihr hierher solltet, oder?!“ Meist erhalte ich dann ein gemeinschaftliches Nicken und merke, dass sich die Männer da abgeholt fühlen.
Die klassische Gesundheitskommunikation verfolgt die zentralen Aufgaben: Informieren, Aufklären und zu gesundheitsförderlichem Verhalten motivieren, alles ungegendert. Leider gibt es bislang recht wenig zur gendersensiblen Gesundheitskommunikation. Da Kampagnen sich meist an die gesamte Bevölkerung wenden, werden nur selten mal die Männer explizit angesprochen. Höchstens bei urologischen Erkrankungen. Ansonsten ist Gesundheit, sei es in Apotheken ausliegenden Zeitschriften oder auf Werbeplakaten der Krankenkassen immer schön, zufrieden und mit lächelnden Gesichtern verkörpert. Zeitschriften, die auch mal die Realität abbilden und echte kranke Menschen zeigen, bekommen böse Leserbriefe und Ärger mit ihren Werbekunden. Ich glaube aber, dass diese Fokussierung auf „Schönheit“ Männer eher davon abhält hinzusehen.
Da die Produktwerbung seit Jahren durch ausgeklügelte Marktforschungsmaßnahmen Wissen über ihre Konsumenten gesammelt hat, könnten wir doch auf deren Wissen und Vorgehensweisen zurückgreifen. Gesundheit ist auch eine Ware, die verkauft werden möchte, natürlich unter anderen Vorzeichen.
Schaut man sich gewisse Baumarktwerbung an, so kann man schön erkennen, wie Männeremotionen eingefangen werden, auch wenn sie mal „dreckig“ aussehen. Natürlich ist Baumarktwerbung nicht direkt mit Gesundheitswerbung zu vergleichen, aber Männergesundheit stellt nicht selten auch eine gewisse Baustelle dar. Können wir da nicht Überschneidungen für uns nutzen?
Dazu konnte ich mit einer Expertin für Gendermarketing sprechen. Diana Jaffé ist Gender-Marketing-Expertin, lebt und arbeitet in Berlin und hat bereits mehrere Bücher zum Thema Frauen- und Männeransprache in der Werbung herausgebracht. Wir haben uns in einen kleinen Café in Berlin Mitte getroffen und angeregt über 2 Stunden zum Thema ausgetauscht. Da ich noch voll in der Schreibwerkstatt stecke und jetzt etwas gemein sein möchte, werden Sie erst im Buch mehr dazu erfahren. Wie immer wünsche ich Ihnen aber eine gesundheitliche Woche.