We are differentFrauen sind bei Gesundheitsthemen in der Überzahl. Das hat bestimmt mit dem Gesundheitsfaktor Frau zu tun. Frauen studieren eher die sozialen Fächer, Frauen domininieren zunehmend den Medizinstudiengang und Frauen reden gerne über Gesundheit. Diese leicht Klischee besetzten Aussagen sind leider häufig Fakt. Können Frauen Männer von einem gesundheitsförderlichen Verhalten überzeugen? Manche der folgenden Aussagen werden wahrscheinlich etwas stereotyp klingen, manchmal ist es aber wirklich der beste Weg um ins Gespräch zu kommen. Und das sollte ja unser aller Plan sein.
Da ich bei Vorträgen zur Männergesundheitsförderung jetzt wiederholt von Frauen angesprochen bzw. gefragt wurde, möchte ich heute auf das Thema der „MännergesundheitsförderIn“ eingehen. Die Frauen aus den Vorträgen wollten mal ganz pauschal wissen, auf was sie als Frau bei der „Männergesundheitsansprache“ achten sollten.
Ich hatte im Rahmen der Interviewreise die Möglichkeit mit Sabine Pfeifer zu sprechen. Sie ist Diplom-Sportwissenschaftlerin und arbeitet bei der Novitas BKK. Die Novitas ist eine der größeren Betriebskrankenkassen mit über 400.000 Mitgliedern, vor allem aus Männerbetrieben. Sie entwickelt seit vielen Jahren BGF und BGM-Maßnahmen für Betriebe. Im Buch wird sie etwas über Männergesundheitskampagnen berichten. Als MännergesundheitsförderIn aus der Praxis beschreibt sie nun hier im Blog mit mir zusammen, auf was es ankommen könnte.
Frauen können sicherlich einen leichteren Einstieg zum Thema Gesundheit finden. Das „Frausein“ lässt sich hierbei als Türöffner nutzen. Danach kommt es aber natürlich auf Fachwissen und Glaubwürdigkeit an. Ganz praktisch gesehen sollten sich Frauen vor allem in männerdominierten Berufen wie beispielsweise der Metall- oder Stahlverarbeitung nur mit Helm und Sicherheitssschuhen auf das Betriebsgelände begeben. Ist „Frau“ dann dort und spricht zum Thema Gesundheit an, merken Männer sehr schnell ob „Frau“ sich nur oberflächlich oder wirklich für die Männer und ihre Arbeitsbedingungen interessiert. Der Grat zwischen dem „netten Frauchen“, das zwar gern gesehen ist, aber das Mann eigentlich nicht ernst nimmt, und der akzeptierten Fachfrau für BGM, ist sehr schmal. Auf die richtige Mischung kommt es schließlich an, nicht zu perfekt und allwissend im Auftreten, dennoch freundlich, selbstsicher und humorvoll, so bleibt Frau im Gespräch und kann dann auch auf fachlicher Ebene punkten.
In männerdominierten Branchen freuen sich Männer tatsächlich, wenn sie „auch mal eine Frau“ zu Gesicht bekommen. Das bringt Abwechslung in den Berufsalltag, – für Gesundheitsförderinnen erleichtert diese Tatsache schon mal den Zugang bzw. die Ansprache der Zielgruppe. Frauen kommen da viel leichter ins Gespräch als ihre männlichen Berufskollegen. Diesen Vorteil sollte man als Frau ruhig nutzen. Schließlich geht es ja darum, die Männer für deren Gesundheit zu gewinnen. Frauen erleichtern da ungemein den Männern, die erste Hürde zu nehmen und über Gesundheit zu sprechen. Denn welcher Mann spricht schon von sich aus über Gesundheit?!.
Frauen sollten aber wissen, wie sich männliches Abwehrverhalten gestaltet und sie sollten stets darauf vorbereitet sein. In der Männergesundheitsansprache kontern die Männer nämlich häufig mit dummen Sprüchen oder intelektuellem Gefasel. In meinem Beitrag „Und sie bleiben sitzen…“(http://wp.me/p3eH4G-dc) habe ich das schon einmal thematisiert und glaube, dass es sich lohnt, die Männer im Gespräch zu halten. Das Kontern bei Abwehr ist vielleicht wirklich so eine männliche Disziplin, die „Frau“ auch als MännergesundheitsförderIn wissen sollte. Erst einmal muss „Frau“ und manchmal auch „Mann“ wissen, dass das gerade eine Form von männlichem Abwehrverhalten ist. Das ist gar nicht immer so einfach. Auch ein längeres „Palaver“ kann Abwehr bedeuten, wenn sich derjenige nicht eindeutig zu etwas bekennt oder äußert.
Zurück zum dummen Spruch und dem Kontern. „Frau“ darf sich nicht persönlich getroffen fühlen. Wichtig beim Kontern ist nicht das „Was“ sondern das schnelle Reagieren. Aus meiner Erfahrung imponiert das Männern und sie nehmen den kleinen „Wortkampf“ gerne auf und empfinden es als Herausforderung. „Frau“ darf dabei allerdings nicht verletzend oder belehrend sein. Freundliches Kontern mit Humor und auch etwas Flapsigkeit ist hier gefragt.
Für das Erstgespräch, den Erstkontakt, sind Frauen wahrscheinlich besser als Männer. Sie sollten sich allerdings im Weiteren immer über ihre eigenen Gesundheitsansichten bewusst sein. Ich glaube, als Mann kann ich mich noch etwas besser in manche „Männerrituale“ eindenken, als als Frau. Wenn ich nun Gesundheit weiblich „denke“ und auch vermittle, wird das Männer nicht ansprechen. Die männliche „Denke“ ist da teilweise schon recht anders. Das ist auch der Grund, warum ich glaube, dass manche fortführenden Maßnahmen von Männern für Männer unter Männern gemacht werden sollten. Dort müsste sich die MännergesundheitsförderIn doch recht männlich zeigen, um irgendwie mitreden zu können. Ein kleines Beispiel dazu: Letztens fragte ich in einem von mir durchgeführten Abnehmkurs nach Belohnungen, die nicht aus Essen bestehen dürften. Nach anfänglicher Stille kamen einige Vorschläge. Der Vorschlag, sich mit dem Besuch eines „Puffs“ zu belohnen, wäre wahrscheinlich nicht in Anwesenheit einer Frau gefallen. Ob dies den Effekt eines Abnehmkurses voranbringt, weiß ich nicht. Es zeigt aber, dass eine „Frauen-freie-Gesundheitszone“ schon eine gewisse Lockerheit bei Männern zulässt.
Da ich hoffe, dass hier einige MännergesundheitsförderInnen mitlesen, würde ich mich sehr über Ihre Kommentare und Anregungen zu diesem Thema freuen.
Wie immer wünsche ich Ihnen eine gesundheitliche Woche.