COLOURBOX4948633
Im Herbst 2013 war ich in Bielefeld zur jährlichen BGM-Tagung von Professor Badura („dem Fehlzeitenpapst“). Thema diesmal: Diversity – Herausforderung für das Betriebliche Gesundheitsmanagement. Was ist eigentlich Diversity? Übersetzt heißt das Vielfalt. In unserem Zusammenhang geht es um die betriebliche Vielfalt an MitarbeiterInnen. Diversity setzt sich aus unterschiedlichen Dimensionen zusammen. An oberster Stelle steht natürlich „Gender“, das soziale Geschlecht. Weitere Dimensionen sind: Behinderung, sexuelle Orientierung und Identität, Alter, Religion und Weltanschauung, ethnischer Hintergrund/Nationalität.
Männer sind da ein Teil von Gender. Wenn man aber etwas genauer schaut, bedeutet Gender nicht selten in solchen Zusammenhängen „Frau“. Dies ist über die Jahre so aus der Frauenbewegung entstanden, also historisch zu sehen. Im Rahmen des Diversity Management (ich glaube es gibt mittlerweile nichts mehr, was nicht Management heißt) geht es bei Thema Gender hauptsächlich darum, Frauen in Unternehmen gleich zu stellen. „Mehr Frauen in Führungspositionen!“ wird ein Hauptantrieb dabei sein. Das finde ich auch gut so. Ich habe mich ja hier schon zuhauf zur Männergesundheit und dem männlichen Gesundheitsverhalten ausgelassen.
Bei der Frauengesundheit im Betrieb geht es für mich mittlerweile um die schon längst fällige vollständige Gleichstellung der Frau. Da Frauen eher ein suffizientes Vorsorgeverhalten an den Tag legen, ist die soziale und finanzielle Gleichstellung unsere Hauptaufgabe zur Förderung ihrer Gesundheit. Kommen wir aber zurück zu „den“ Männern. Wenn man Diversity Management im betrieblichen Kontext betrachtet, geht es eigentlich um die Bewusstwerdung des „Anderen“, dessen Nutzung und Förderung. Hierbei geht es primär um Minderheiten. Wie können spezielle Minderheiten des Unternehmens, dem Unternehmen dienen?
Eigentlich hat Diversity Management relativ wenig mit Gesundheit am Hut. Unternehmen möchten ihre unterschiedlichen Mitarbeiter und deren Hintergründe besser für ihre Zwecke nutzen. Wir hörten auf der Tagung z.B. von einem Mobilfunkunternehmen, welches in einer deutschen Großstadt eine rein türkisch sprachige Filiale betreiben würde. Das bedeutet, es werden spezifische Qualifikationen wie die türkische Sprache für das Kundengeschäft genutzt. Dabei kann man davon ausgehen, das Deutschtürken hierfür eingesetzt werden und nicht jemand extra Türkisch lernen muss.
Nun aber wieder wirklich zurück zu den Männern. Im Gesundheitsverhalten ist „der“ Mann schon anders, jedenfalls nicht selten. Das führt bei den betrieblichen Verantwortlichen nicht selten zum Stirnrunzeln. Aktuell bin ich unterwegs, um das Verstehen des männlichen „Anderen“ zu verbessern. Unternehmen wollen und müssen „ihre“ Männer nutzen, logischerweise. Unsere Aufgabe ist es nun, sie zu fördern, gesundheitlich. Und das Dolle ist: Viele wollen das gar nicht! Vielleicht auch zu recht. Vielleicht empfinden sie sich gar nicht als zu fördernde Minderheit, die nicht weiß, wie sie mit ihrer Gesundheit umgehen soll. Vielleicht passt das gar nicht in deren Selbstbild. Also noch einmal, das Kerngeschäft von Diversity Managern heutzutage ist das Thema Gender, also Frauenförderung. Wenn wir von BGM-Seite nun auch noch die „Minderheit Mann“ da reinnehmen wollen, sollten wir vorher verstehen, wie „die“ Männer da ticken. Bei Betrachtung der anderen Diversity-Dimensionen kann dann einem schon schwindelig werden. Wie nimmt sich denn z.B. ein homosexueller, alevitischer, türkisch stämmiger deutscher Mann mit 55 Jahren selbst wahr. Was für ein Gesundheitsverhalten hat er? Fürsorglicher weil er homosexuell ist? Oder weil er 55 Jahre alt ist und nicht mehr „alles“ so gut geht? Von dieser Seite emfinde ich Diversity und auch Männergesundheit schon manchmal als etwas absurd. Für mich heißt es da, mein grundsätzliches ärztliches Handeln zu nutzen – schau genau hin, bleib bei jedem individuell, vergiss nicht die Empathie und vernetze alle Dimensionen in deinem Kopf.
Auf der BGM-Tagung durfte ich nach einem bunten Männervortrag von Herrn Altgeld („dem MännerMann“) nachmittags einen Männergesundheitsworkshop durchführen. Es kamen ca. 50 Teilnehmer, 50 Menschen die mit BGM zu tun haben und mehr über das männliche Gesundheitsverhalten erfahren wollten. Zu Beginn stellte ich den Teilnehmern Fragen. „Was verstehen Sie an männlichem Gesundheitsverhalten nicht? Was macht den Zugang so schwer?“ Weiter wollte ich wissen welche positiven und negativen gesundheitlichen Attribute Männer Frauen zuordnen und Frauen Männern. Dazu erscheint noch diese Woche mein nächster Blogartikel. Dann folgt auch bald wieder ein Buchinterview. Ich verspreche es. Bis dahin eine gesundheitliche Woche!