Vorsorge statt Sorge. Ist das etwas typisch Männliches? Oder kommt das auf den Typen an!? Oder eher Spätsorge statt Vorsorge? Aktuell nehme ich an einem Präventivmedizinkurs in Köln teil. Also Herr Kölln ist in Köln. Das führte auch gleich an der Rezeption des Tagungsortes zur Belustigung. Im Kurs werde ich zu unterschiedlichen Aspekten sinnvoller Vorsorgemedizin geschult. Wir sehen viele Studien und sehen, was etwas bringen könnte und was nicht. Es sind lange Tage, viel Input, etwas Sport in der Mittagspause rund um das Stadion des 1. FC Köln …und leider wird bei all den Gesundheitsthemen die Genderperspektive wie so oft vergessen. Ich bin wieder einmal der Männerarzt, der kein Urologe ist. (Die übrigens hier gar nicht vertreten sind.) Also ich halte in gewissem Maße die Männerflagge hoch. Die präsentierte Studienlage ist in den meisten Fällen evidenzbasiert (EBM). Muss sie auch, da wir in Deutschland, was Medizin angeht, immer noch eher die Reparaturmedizin favorisieren. Ah… da war doch schon mal was beim männlichen Gesundheitsverhalten und dem Reparaturwillen. Na ja, jedenfalls ist die Männerperspektive hier nicht erfasst und Frauen und Männer werden als „gleich“ angesehen. In manchen Studien stellen sich zwar Unterschiede dar, die aber nicht weiter diskutiert werden, weil wieder einmal die Evidenz und der Wille fehlen. Jetzt lästere ich mal über uns Ärzte. Wir beschäftigen uns selten mit dem Gesundheitsverhalten. Es geht primär darum, lange und breit zu besprechen, was zu raten ist. Die Vermittlung des „Richtigen“ geht dann ganz schnell. Spitz gesagt: Ich Arzt, du Patient, hier die Maßgabe für die Gesundheit, bitte einhalten, bis zum nächsten Mal. Beispiel: Wir haben im Kurs viel zu Risikorechnern für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehört. Manche glauben, dass durch die Vermittlung eines Risikoprozentsatzes sich das Verhalten von Menschen verändern lässt. Dies hat bestimmt einen nicht zu unterschätzenden Effekt auf Menschen, die ein gewisses Körperempfinden haben. Und das sehe ich vollkommen „über“geschlechtlich und „über“sozioökonomisch. Ich glaube, das alle anderen mit solch einer Risikostratifizierung eher weniger anfangen können und dies sogar kontraproduktiv sein kann. Zum einen ist es für viele Menschen schwer vorstellbar, z.B. ein 14,8%-ges Risiko zu haben, in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen. „Der“ einfachere Mann sagt da eher: „Woher weißt Du das denn?!“ Und damit wäre das Thema „motivierende Prognosevermittlung“ oder ich sage mal ganz spitz „Todesdrohung“ (wissenschaftlich: Furchtappell) gegessen. Nebenbei gesagt: ich bräuchte solche Aspekte in diesem Kurs nicht zu platzieren, weil ich damit vollkommen einsam wäre. Das Problem mit der Vermittlung von Gesundheitsgefahren und die Diskussion über die Männergesundheit bzw. das männliche Gesundheitsverhalten wird in der Ärzteschaft primär darin liegen, dass uns die Evidenz für dieses oder jenes fehlt. Es gibt leider bislang kaum bis keine Studien dazu. Wir müssen daher ein anderes EBM fahren, nämlich die „Eminenz basierte Medizin“. Diese hat unter uns Ärzte eine eher geringfügige Akzeptanz und man landet damit schnell auf dem Abstellgleis. Aber „wir“ haben halt noch nichts anderes. Der Praxisratgeber wird versuchen, ein wenig Praxiserfahrung in der Männerarbeit zu beschreiben. Spannend wird sein, unterschiedlichen Schichten Vorsorgemedizin sinnvoll vermitteln zu können. Damit abschließend wünsche ich Ihnen eine gesunde, gesundheitliche Woche.