Wenn man das Thema der Männergesundheit in Betriebe tragen möchte, muss man erst einmal Betriebe und Unternehmenskulturen verstehen lernen. Das ist nicht unbedingt immer geschlechtsspezifisch möglich. Da aber noch viele Betriebe und deren Kultur vornehmlich von Männern geprägt werden, könnte man ja vielleicht Rückschlüsse ziehen auf das „Warum sind diese Kulturen so? Und warum verhalten sich Männer so am Ort ihrer Leistungsfähigkeit?“ Dazu habe ich den Soziologen, Unternehmensberater und Organisationsentwickler Herrn Münch besucht. Wir trafen uns in einem katholischen Seniorenwohnheim. Es ergab sich halt so und wir beiden wohnen da noch nicht, aber das soll nur am Rande berichtet sein. Wenn Herr Münch Unternehmen berät und versucht strukturelle Probleme zu analysieren und Abhilfen zu schaffen, nutzt er nicht selten das sog. „Graves Values System“. Dieses beschreibt aus soziokultureller Sicht Entwicklungsprozesse ohne diese positiv oder negativ zu bewerten. Die heutige fortschreitende Entwicklung bedeutet in diesem System auch nicht automatisch den fortschreitenden positiven Wandel. Es wird lediglich die Veränderung an sich beschrieben. Dies erleichtert das Verstehen von unterschiedlichen Unternehmensprozessen aus soziologischer Sicht und bietet Handlungsmöglichkeiten für die Zukunft. Was hat das nun mit Männergesundheit zu tun? Mich interessieren die unterschiedlichen Stadien dieses Systems, welche mit den Entwicklungsstadien des Mann-Werdens eventuell korrelieren. Der Prozess des Erwachsenwerdens lässt sich in gewisser Weise ja auch auf die Entwicklung von Unternehmen projizieren. Im Unternehmen selbst befinden sich nun Personen – und häufig ja vorwiegend Männer – in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Aufgabe von einem Unternehmensberater wie Herrn Münch ist es nun, Unternehmenskulturen und Personen in ihren unterschiedlichen Entwicklungsstadien zu verstehen und in eine möglichst gute „Passung“ zueinander zu bringen. Dazu kann auch gehören, ein bestimmtes Thema erst einmal für die jeweils andere Seite zu „übersetzen“. Als Betriebsarzt und ich glaube als Arzt an sich, hat man mit ähnlichen Problemen zu tun. Man muss sich tagtäglich mit Symptomen und Phänomenen befassen, die auch schon mal als „Stellvertreterthema“ gesehen werden könnten; und am Anfang weiß man nicht immer, in welchem Stadium sich der entsprechende Mitarbeiter/Patient befindet. Wie baut sich nun das „Graves Values System“ konkret auf? Für jede Entwicklungsstufe gibt es eine Farbe, die fließend in die nächste übergeht und mit bestimmten Werten und Verhaltensweisen verbunden ist. Die Entwicklungsstufen korrelieren mit dem Prozess des Erwachsenwerdens. In unserem Interview hat mir Herr Münch die unterschiedlichen Farben erklärt und Beispiele dazu benannt. Dies wird im Buch natürlich ausführlicher beschrieben und als Leitfaden für das Verstehen der heutigen, noch immer von Männern dominierten Arbeitswelt genommen. Kurz beschrieben – es dominieren aktuell drei Farben als Werte-Mix in großen Unternehmen. In chronologischer Reihenfolge – Blau „das Bewährte“: Zuverlässigkeit, Disziplin, bewährte Qualität, Stabilität, Tugend, Regeln, Kontrolle, Obrigkeit beachtend. Orange „das Leistungsprinzip“: neue Wege, Best practice, Effektivität, Effizienz, Schnelligkeit, wirtschaftlicher Erfolg. Und schließlich grün „das Wir-Gefühl“: Gemeinsamkeit, Partnerschaft, Vertrauen, Offenheit, Menschlichkeit, Mitgefühl, menschliches Wachstum. Grundsätzlich können wir in unserem Verhalten mehrere Elemente vereinen – wir haben meist jedoch eine „Präferenz“ zu einer bestimmten Farbe bzw. den damit verbundenen Werten, die dann unser Verhalten steuern. So wie der Abdruck dieser Hand. Und ob wir nun mit dem blauen „bewährten“ Mittelfinger etwas Neues „abweisen“ oder mit dem grünen „Wir-Gefühl“ Ringfinger eigentlich im tiefsten Inneren verheiratet sind oder mit dem orangenen „Leistungs“-Daumen auch mal hart zupacken hängt von der jeweiligen Situation ab. Ich finde das im Hinblick auf das Verstehen von männlichem Verhalten sehr interessant und weiterführend. Es bringt einen in der eigenen Empathie deshalb weiter, weil man so den Gegenüber besser verstehen und neue Lösungskonzepte entwickeln kann. Ich hoffe das klingt jetzt nicht zu hochgestochen. Seien Sie gespannt auf den Buchartikel über die heutige Arbeitswelt im Hinblick auf „den“ Mann und schauen Sie mal unter http://www.salubris.de rein.