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Wenn man über Männergesundheit das erste Mal nachdenkt fallen nicht wenigen zwei Dinge ein. 1. Der Urologe und Männerarzt und 2. Die Zeitschrift Men´s Health. So ging es mir auch. Diesen Gedanken verfolgend machte ich mich auf den Weg, um den Chefredakteur der Zeitschrift Men´s Health zu besuchen. Markus Stenglein ist ein Urgestein der Zeitschrift, von der ersten Ausgabe an dabei und seit diesem Jahr der Chefredakteur. Mir sitzt ein durchtrainierter 39jähriger Mann gegenüber der für „seine“ Zeitschrift brennt. Das merkt man sofort. Nach eigener Aussage ist sein Job immer noch so spannend, weil sie als Macher davon ausgehen, dass sie die Leser mit jeder Ausgabe etwas weiterbringen, auch wenn es nur kleine Schritte sind. Kleine Schritte bedeuten, das Workout des Lesers zu perfektionieren oder einen neuen Ernährungstipp zu geben. Wichtig dabei ist Stenglein, dass auf Augenhöhe mit den Männern kommuniziert wird, wenn auch bewusst eher oberflächlich. Das kann nicht so schlecht funktionieren, weil seit Jahren konstant 250.000 Hefte verkauft werden und ca. 1,1 Mio. Personen pro Monat die Zeitschrift lesen. Das ist für mich auch der Grund des Besuches. Was macht das aus, dass so viele Männer mit Themen der Gesundheit erreicht werden können? Die Ansprache über die körperliche Leistungsfähigkeit, die leichte und lockere Art und Weise und das Vorleben dieser Werte durch die Autoren ziehen offensichtlich Leser an. Stenglein und ich kommen aus zwei völlig verschiedenen Welten. Herr Stenglein kommt aus der „Sportecke“ und spricht mit der Zeitschrift primär Männer im Alter zwischen 30 und 40 an. Ich komme aus der „Medizinecke“ und bin in direktem Kontakt mit Männern, deren Leistungsfähigkeit schwindet, die keinen Sport machen und die eher ein bis zwei Jahrzehnte älter sind. Also eher „Zustand nach Men´s Health“ sind, zugespitzt gesagt. Die Altersklasse der Männer zwischen 30 und 40 ist eher in ihrer „vollen Blüte“, im Familienaufbau, Karriere machen, Hausbau etc. Hierfür ist solch eine Ansprache wie es die Men´s Health praktiziert sicher sinnvoll und wie man sieht, es funktioniert auch. Die Hefte werde ja nicht verschenkt, sondern müssen erst einmal gekauft werden. Einige Männergesundheitsforscher sehen in dieser Art der sehr lockeren und häufig auch klischeetreuen Ansprache der Männer allerdings die Gefahr, dass Männer wieder und wieder in die klassische Männerrolle gedrückt werden und sich nicht frei entwickeln können. Sie sehen es als fragwürdig an, das schon bestehende Externalisieren (der Verlagerung von Motiven und Zuschreibungen nach außen) noch weiter zu befeuern. Das glaube ich nicht. Männer fühlen sich beim lesen dieser Zeitschrift angenommen, man spricht mit ihnen über ihre aktuellen Themen und hat praktische Tipps, die übrigens von den Machern in Hamburg auch gelebt werden. Die Redaktion macht mittags eine längere Pause, treibt gemeinsam Sport und kocht auch dann und wann mal zusammen. Was ich aus dem einstündigen Gespräch mitnehme ist, dass ein Herr Stenglein genauso mit Männern „arbeitet“ wie andere auch. Er nimmt sie an, spricht mit ihnen auf Augenhöhe, für meinen Geschmack etwas zu oberflächlich, aber das macht nichts. In der Medizin sagt man immer ganz schlau: Hol den Patienten da ab wo er steht. Das macht die Men´s Health und sie hat bestimmt einen nicht unwesentlichen Platz in der Männergesundheitskommunikation – davon kann man lernen. Und dabei interessieren mich nicht unbedingt die genauen Inhalte sonder das „Wie“. Also auf die Frage: Ist Men´s Health Männergesundheit? würde ich sagen, ja und nein. Ja, sie beschäftigen sich mit der Gesunderhaltung des Mannes und nein, sie lassen nicht allzu viel Platz für Schwäche. Diese kommt aber immer zwangsläufig im Leben vor. Sei es durch eine sinkende Leistungsfähigkeit im Alter oder wie gerade der Männergesundheitsbericht 2013 zeigt, durch eine zunehmende psychische Belastung, auf die Männer eher über körperliche Beschwerden reagieren. Ich finde, wir sollten alle von einander lernen und nicht voreingenommen sein. Schöner Satz oder? In diesem Sinne!