Molten hot steel pouring and worker
Dr. Mölders ist im Vorruhestand. Als ehemaliger Abteilungsdirektor Gesundheit (übersetzt leitender Werksarzt) von ThyssenKrupp Steel Europe (TKSE) mit über 30 Jahren Erfahrung in der arbeitsmedizinischen Welt von Stahlwerken ist Dr. Mölders absolut ein Gesprächspartner, den man besucht haben sollte. Zusätzlich ist er einer der Initiatoren der überaus erfolgreichen Gesundheitsschicht von TKSE. Wie kamen die Verantwortlichen auf diese „Männergesundheitsmaßnahme“, Männern niedrig schwellig einen „Erlebnistag Gesundheit“ anzubieten? Dies brauchte einige Vorläufer, aus denen Dr. Mölders mir in unserem Gespräch berichtete. „Männer“-Gesundheitsförderung ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil in der deutschen Montanindustrie. Dies kommt durch Bemühungen, die hohen gesundheitlichen Belastungen der Mitarbeiter in solchen Werken auszugleichen und wurde nicht unwesentlich gefördert durch die Montan- Mitbestimmung. Doch nun kurz zur Gesundheitsschicht. Diese wurde vor einigen Jahren bei TKSE konzipiert. Dazu gab es die Idee, einen ganzen Tag der Gesundheit zu widmen. Damit die Mitarbeiter, primär Männer, sich wohl fühlen würden, dachte man relativ schnell an Teilnehmer aus einer Schicht und an die Dauer einer Schicht. Hier bräuchten keine Hemmnisse der Kollegen mehr aufgetaut werden. Weiter fanden im Vorfeld Umfragen in der Belegschaft statt. Was müsste an solch einem Gesundheitstag angeboten werden? Hätten Sie gedacht, dass die Männer sich für die „Hausapotheke mit Naturheilverfahren“ interessieren würden. So entstand ein Ranking, woraus dann ein Modulkonzept entwickelt wurde. Das bedeutet, ein Teilnehmer der Gesundheitsschicht hört feststehende Vorträge z.B. zur Ernährung und dem Rücken. Dazu kann er selber über weitere Module frei entscheiden (Gedächtnistraining, Entspannungsmethoden, Erste Hilfe ganz kurz etc.). Weiter gibt es einen Sport- und Spieleraum für Pausen. Zusätzlich erhält jeder Mitarbeiter eine kurze Wohlfühlmassage. Die Gesundheitsschicht wird immer von einem Arzt der Hütte begleitet. Dieser führt auch die Check-up-Gespräche durch. Dabei kommen der von TKSE entwickelte Gesundheitsscore® und der Arbeitsbewältigungsindex (WAI) zur Anwendung. Zusammen mit einem BGM- Beauftragten entwirft der Mitarbeiter nach dem Gespräch mit dem Arzt einen sog. Gesundheitsfahrplan. In diesem werden Gesundheitsziele, Meilensteine und der Unterstützungsbedarf für den Mitarbeiter dokumentiert, und nur für diesen. Wenn der Mitarbeiter einverstanden ist, wird er dazu noch einmal nach 3 Monaten angerufen und kann nach 6 Monaten sich noch einmal freiwillig beim Arzt vorstellen. Dies wird allerdings nicht so häufig wie erhofft in Anspruch genommen, was Dr. Mölders ehrlicherweise zugeben muss. Er sagt aber, dass das Entscheidende ist, dass die Mitarbeiter, also primär die Männer, eine Gesundheitsmaßnahme, vielleicht zum ersten Mal, anders nämlich im Sinne von spielerisch erleben. Dr. Mölders sagte mir: „Die gehen am Ende mit Freude raus und haben nebenbei einen Teil von Selbstfürsorge für sich betrieben.“ Nun kann man sich sicherlich fragen, ob solch ein Modell in jedem Betrieb von den Ressourcen umsetzbar ist. Dies ist bestimmt illusorisch. Wenn man aber solche Maßnahmen für Betriebe bündelt, könnten solche Präventionszentren wie von TKSE überall entstehen. Meiner Meinung nach ist dies ein guter Beleg für ein sinnvolles, gut angenommenes (bereits ca. 4000 Teilnehmer in über 2 Jahren) und niedrig schwelliges Angebot für Männer. Die Evaluation läuft aktuell noch, erste Ergebnisse zeigen aber eine Reduzierung der Krankenquote in der Teilnehmergruppe. Langfristigere Ergebnisse gibt es natürlich noch nicht.