Straßenkehrer
Mitte Dezember fuhr ich nach Berlin um Georg Heidel zu treffen. Wir kennen uns schon ein wenig länger und Herr Heidel war es, der mich auf das Thema Männergesundheit im betrieblichen Kontext gestoßen hat. Herr Heidel ist Sozialarbeiter und war lange Leiter der Gesundheitsförderung der Berliner Stadtreinigung mit über 5000 Mitarbeitern und einem hohen Männeranteil. In seiner Amtszeit setzte er die Idee der betrieblichen Gesundheitslotsen um und war immer offen für neue unkonventionelle Wege der Gesundheitsförderung. Im Rahmen unseres Gespräch erläuterte Herr Heidel mir nun die Entstehung und den Aufbau dieses Projekts. Bei der Stadtreinigung kommt man zwangsläufig zum Thema Männergesundheit. Herr Heidel hat immer den direkten Kontakt zu den Männern gesucht. Er sagt: „Dafür muss man auf die Höfe gehen und mit den Männern ins Gespräch kommen, auf Augenhöhe. Ansonsten erreicht man sie nicht!“
Wir sprachen primär über das Gesundheitslotsenprojekt. Bei der BSR wurden bis dato 18 nebenberufliche Lotsen ausgebildet. Diese gehen ihrem normalen Job nach und engagieren sich nach der Arbeit im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung. Es kann nur derjenige Gesundheitslotse werden, der eine gute Akzeptanz in der Mannschaft besitzt, offen auf Menschen zugehen kann und sich einigermaßen selbstreflektierend verhält. Die Ausbildung ist sehr umfassend und erfolgt an sieben Wochenenden im Laufe eines Jahres. Es werden folgende Themen bearbeitet: die Grundlagen der betrieblichen Gesundheitsförderung, die eigene Selbstreflexion, die psychosoziale Kompetenz, eine ausgewogene Ernährung, das „in Bewegung kommen“, die Alkoholprävention und der Nichtraucherschutz. Die Gesundheitslotsen unterstützen vor Ort, sprechen an, hören zu und sollen beim Thema Gesundheit motivieren und mobilisieren. Sie arbeiten eng mit der betrieblichen Gesundheitsförderung der BSR zusammen und werden vom Unternehmen dafür gewertschätzt. Weitere Themen unseres Gespräches waren die sinnvolle Ansprache von Männern, sozusagen das Männergesundheitsgespräch, der Betriebssport in den heutigen Zeiten, die aktuell noch laufende Männerumfrage, der Umgang mit Gesundheit im Betrieb, aber auch der Kontakt zur Geschäftsführung oder mit der Gewerkschaft. Im Buch werden das Modell der Gesundheitslotsen und die Ergebnisse der Männerumfrage noch genauer beschrieben.
Abschließend bat ich Georg Heidel einen Satz zum Thema zu formulieren. Sein Statement war wie folgt: „Männer sollten sich nicht immer in Abgrenzung zu anderen sehen, ein bisschen mehr Selbstwertschätzung wäre ganz gut.“